29. August 2019 > Fischers Fritz fischt frische Fische..

Wer kennt ihn nicht, den Spruch von Fischers Fritz? Ein Zungenbrecher der die meisten Kinder mal sprachlich herausgefordert hat.

Fischers Fritz - sollte tatsächlich ein Fischer gleichen Namens existieren - und seine Kollegen, hätten vermutlich nicht grosse Freude an meinen Aufnahmen dieses Haubentauchers mit Beute. Wenn Luchs und Wolf einen Teil der Jägerschaft in Rage bringt, so schaffen das Kormoran, Graureiher und Haubentaucher bei einem Teil der Fischer. Fischräuber werden die fischfressenden Vögel genannt. Raub ist ja strafbar, also wird schnell mal ein Abschuss gefordert!

 

Die Aufnahmen stammen vom Inkwilersee, beim Warten auf den Zwergdommel-Topshot. Auf der Holzbank neben mir sitzt ein Fischer. Gut möglich, dass er Fritz heisst. Seine Untensilien hat er auf der Bank ausgebreitet, zwei Ruten sind installiert, die Angeln sind ausgeworfen. Das primäre Interesse des Fischers gilt nur den roten Zäpfchen. Da, ein Zäpfchen bewegt sich leicht. Gespannt warte auch ich, ob sich da ein Fang anbahnen würde. "Es süggelet eine" meint der Fischer. Ausser einem kurz erwiderten Gruss bei meiner Ankunft, hat sich noch kein Gespräch ergeben; er beobachtet seine Zäpfchen und ich den Schilfgürtel. So verbringen wir, einvernehmlich schweigend, die nächsten Stunden. Er stumm den Fischen gleich, ich schweigsam, weil das die Zwergdommeln stören könnte. Ein friedliches Nebeneinander, trotz unterschiedlicher Interessen. Koexistenz nennt sich das, ein Fischer und ein Ornithologe sinnbildlich im selben "Boot".

Der Erfolg liess auf sich warten. Im mit Wasser gefüllten Eimer konnte ich noch keinen Fisch feststellen, der Kescher lag aber griffbereit  neben der Bank. Meine Zwergdommeln liessen mich ab und zu auf den Auslöser drücken, aber die erhofften Aufnahmen waren noch nicht auf der Speicherkarte. Fischer 0 Punkte, ich auch nicht viel mehr..:-)

 

In den Teichrosenblättern tauchte ein Haubentaucher nach Beute. Gebannt wartete ich jedesmal auf sein Auftauchen. Wenn sich die Zwergdommeln so rar machten, wäre ein Haubentaucher mit Fisch im Schnabel auch ein attraktives Sujet! Der Fischer beobachtete seine Zäpfchen, ich den Taucher. Fischen mit oder ohne Rute heisst offensichtlich Geduld haben. Nach mehreren Tauchgängen liess mich der Haubentaucher nicht ohne Bild zurück. Ich hatte ein paar schöne Sequenzen eingefangen und im Eimer des Fischers hörte ich Zappelgeräusche. Ende gut, alles gut? Für den Haubentaucher sicher, für den Fotografen auch, für Fischers Fritz? Wohl kaum für den Fisch!

> Link Haubentaucher

> Link Haubentaucher Vogelwarte

19. August 2019 > Punkt 2016 ist besetzt..

Die Landschaft ist wild und urchig, die Aussicht phänomenal! Die Rede ist vom Gebiet oberhalb Boltigen. Auf unserer letzten Exkursion vom 14. August galt unser Interesse nicht primär den Geiern, sondern einer Vogelart die in den letzten Jahren vermehrt auch in diesem Gebiet beobachtet wurde; gemeint ist der Schlangenadler.

Die zahlreichen Meldungen im Umkreis der Alp Walop in diesem Jahr, liess Gedanken an eine mögliche Brut aufkommen. Paul Hürlimann und ich wollten uns deshalb mal die Waldpartien in den steilen Südhängen unterhalb des "Garte" von oben anschauen. Entlang des Weidezaunes stiegen wir vom Rohrboden Richtung Alp Oberi Luchere hoch, suchten an verschiedenen Stellen die unterhalb liegenden, felsdurchmischten Waldpartien ab. Es liess sich aber leider kein Schlangenadler blicken.

 

Unser Ziel war wiederum Punkt 2016, von wo man praktisch einen 360° Rundblick geniessen kann. Noch war ein letztes kurzes Wegstück bis zur Alphütte zu bewältigen. Ein Blick von Paul hinauf zum Ziel brachte schnell etwas Hektik; auf einem Pfahl sass ein Greifvogel. Schnell war klar, die Ueberraschung war perfekt, Punkt 2016 war bereits besetzt!

Als hätte er uns erwartet, sass zuoberst auf dem Hügel auf einem Zaunpfahl tatsächlich ein Schlangenadler. Dreimal wow! Was für ein toller Anblick durch das Fernglas! In Deckung der Alphütte machte ich mal erste Aufnahmen, wohlwissend, dass da kaum brauchbare Fotos zu erwarten waren. Also musste ich unbedingt etwas näher ran. Auf allen Vieren, in Geländemulden und hinter Hügelchen Deckung suchend, robbte ich mich vorwärts. Jeder Meter versprach etwas mehr Abbildungsqualität. Sonne wo bleibst du?

Fotografisch reichte es leider nur für Belegbilder. Die (zu) grosse Distanz, das genau in dieser Situation fehlende Sonnenlicht und der letztlich abfliegende Greif machten dem sich anschleichenden Fotografen einen Strich durch die Rechnung. Aber was solls, das gehört dazu! 

> Link Schlangenadler Vogelwarte

> Link Schlangenadler

Aufstieg von Rohrboden mit Blick auf Punkt 2016..
Aufstieg von Rohrboden mit Blick auf Punkt 2016..

09. August 2019 > Mit den Kiesbrütern gehts bergab..

Link "Mit den Kiesbrütern gehts bergab.." Diese negative Analyse der Vogelwarte gilt leider auch für die Region Thun. Für das Kanderdelta, ein geeigneter Lebensraum für den  Flussregenpfeifer, gilt diese Einschätzung leider auch. Die beiden Hauptgründe sind im Bericht der Vogelwarte aufgeführt; Hochwasser und Störungen durch Freizeitaktivitäten des Menschen.

Während Gelegeverluste durch Hochwasser kaum zu vermeiden sind - Paul Hürlimann hat eine solche Tragödie fotografisch dokumentiert - zeigen die durch den Menschen verursachten Störungen das Dilemma von vielen Naturschutzgebieten auf. Das  legitime Bedürfnis des Städters nach Natur - raus aus der monotonen Siedlungsumgebung, Feuern und Bräteln mit Kind und Kegel inkl. Hund der sich auch mal richtig austoben will - kollidiert mit dem Ziel, dem raren Brutvogel ein Brüten zu ermöglichen. Die grossen Anstrengungen der Naturschutzverantwortlichen, mit besserer Beschilderung, mit Aufklärung und Information die Situation zu verbessern, sind ein Schritt in die richtige Richtung. Die Interessenskonflikte zwischen Natur, Mensch und Kiesabbau in einem flächenmässig kleinen Gebiet sind aber das Resultat des Planungskompromisses und da hat der kleine Flussregenpfeifer halt die schlechtesten Karten.

01. August 2019 > Geierland Schweiz..?

Erkennen sie den schneebedeckten Berg? Richtig geraten, es ist der Mont Blanc. Mit 4'810m ist er der höchste Berg der Alpen. Zwischen dem Aufnahmeort "Garte" Alp Rohrboden oberhalb Jaunpass und dem majestätischen Berg liegen rund 100 km Distanz! Für französische Gänsegeier ist das eine Halbtagesstrecke.

Nun, das Tagesziel von Paul Hürlimann und mir war nicht der Mont Blanc, aber dem prachtvollen Bergpanorama konnten wir uns natürlich nicht verschliessen! Von Ost bis West eine lange Zahnreihe von Bergspitzen.

Bei unserem Aufstieg von Rohrboden über "Garte" bis zum "Rotechaste" suchten wir nach einem Beobachtungsort mit möglichst viel Rundsicht. Dort wollten wir uns einrichten und mal geduldig abwarten ob sich was tut in der Luft. Gänsegeier sollten eigentlich noch anwesend sein, obschon der zahlenmässige Peak überschritten schien. 

Die Bäuerin auf der Alp Rohrboden kann sich noch gut an das Erlebnis im Jahr 2012 erinnern, als sie zum ersten Mal Gänsegeier über ihrer Alp gesehen hat. Seither gehören die Geier zu den wiederkehrenden Sommergästen im Gebiet Boltigen - Jaun - Kaiseregg. Die Zahlen sind eindrücklich! Die  Gänsegeier, mit bis zu 2.70 m Flügelspannweite, sind excellente Flieger, die mühelos und schnell grosse Distanzen zurücklegen können. Es sind Geier aus französischen Populationen die wir jeden Sommer bewundern dürfen. Eine spannende Geschichte!

Für Interessierte, die ihr Geier-Glück mal selber testen möchten ist der Kartenausschnitt gedacht. Ein Fernglas ist natürlich ein Muss! 

Auf einen möglichen Beobachtungserfolg kann dann in der gemütlichen Gaststube auf der Alp Rohrboden angestossen werden. :-)

> Link Keine Feier ohne Geier > Vogelwarte

> Link Gänsegeier