19. Juni 2020 > Da geht die Post ab..

Diese halbwüchsigen Gänsesäger im Uferbereich vor dem Bonstettenpark sind schon fast selbständig. Ein immer wieder schönes Fotosujet, wenn sie im Schwarm, den Kopf halb unter Wasser, auf Tauchjagd gehen. Mutter Gänsesäger ist zwar auch Teil der Jagdgesellschaft, ihre Aufgaben scheinen aber mehr darin zu liegen, ihre Jungen zu guten Jagdgründen zu führen und dabei stets mögliche Gefahren, z.B. nicht angeleinte Hunde im Auge zu behalten.

18. Juni 2020 > Projekt Neuntöter..

Der Neuntöter ist ein Vogel der in seinem Bestand nicht als direkt gefährdet eingestuft wird, aber nur in einem ihm zusagenden Lebensraum zu finden ist.

Er bevorzugt Hecken und Buschgruppen mit Dornengewächsen in deren Umgebung sich Grossinsekten, Kleinsäuger und Reptilien finden lassen. Diesem Vogel wollte ich einen Pirschgang widmen. Einerseits war ich neugierig ob er überhaupt wieder im Gebiet anwesend war und anderseits hoffte ich auf ein paar Aufnahmen dieses interessanten Vogels. Der erste Teil der Wegstrecke war negativ, kein Würger, keine Sichtbeobachtung, kein Warnton. Ab und zu stieg ich vom Fahrrad, um mich noch genauer umzusehen.

Der Feldweg begleitet einen Niedrigwasser führenden V-förmigen Kanal mit beidseitigen Böschungen. Der Pflanzenbewuchs im Wasser- und Böschungsbereich ist abwechslungsreich und vielfältig. Einzelbüsche, Buschgruppen und höhere Einzelbäume runden das Bild ab. Mit Sicherheit ein wertvoller Lebensraum auch wenn es sich nur noch um ein kleines Ueberbleibsel eines ehemaligen Moores handelt. 

Der zweite Wegteil brachte dann die erhoffte Begegnung mit dem Neuntöter! Auf einer Strecke von ca. 1.5 km konnte ich drei Brutpaare notieren. Bei allen drei Standorten waren sowohl Weibchen wie Männchen futtertragend zu beobachten. Dazu gesellte sich ein Paar Schwarzkehlchen und zwei singende Sumpfrohrsänger. Ein ergiebiger Nachmittag!

> Link Neuntöter Vogelwarte

> Link Neuntöter

17. Juni 2020 > Quizfrage: Wer singt da wen an..?

Die beiden Rohrsänger auf der Collage - soviel sei verraten - sind allein auf Grund ihres Aussehens im Feld schwierig zu unterscheiden. Nach ein, zwei Gesangsstrophen ist der Fall aber relativ schnell gelöst. Der eine der beiden ist ein begnadeter Stimmenimitator, der andere ist mehr der ausdauernde Sänger mit kratzender Stimme auf zwei. drei differierenden Tonlagen. Auch ihr Lebensraum unterscheidet sich eindeutig, wobei die beiden Habitate oft fliessend ineinander übergehen können. Wer ist nun wer? 

> Link Auflösung Vogel links

> Link Auflösung Vogel rechts

06. Juni 2020 > Ende gut, alles gut..!

Die letzten Bilder stammen vom 1. Juni , vielleicht ein oder zwei Tage bevor die Jungen ausgeflogen sind. Ich war mehrere Male vor Ort und habe das Brutgeschehen mit Interesse verfolgt. Dabei ist mir aufgefallen, dass mit Beginn der Fütterungen keine Rufe und kein Trommeln mehr zu vernehmen waren. Die Fütterungsintervalle erfolgten nicht gleichmässig, mal kurze, mal längere Abwesenheiten, mal beide Geschlechter gleichzeitig am Höhlenbaum, oder ein  Vogel zweimal in kurzer Folge.

In den ersten Fütterungstagen schlüpfte der futtertragende Vogel jeweils immer ganz in die Höhle und blieb dort, bis der Partner oder Partnerin an der Höhle erschien. Der ankommende Vogel wartete dann bis der andere aus der Höhle abflog. Männchen wie Weibchen waren in etwa  gleich aktiv an den Fütterungen beteiligt, wobei das Weibchen vorsichtiger an die Höhle heranging. Spannende Wochen, lehrreich und nicht alltäglich eine Kleinspechtbrut beobachten zu können. Für gute Fotos war die Bruthöhle aber leider nicht ideal gelegen. Aber was solls, wichtig war ja letztlich der erfreuliche Brutverlauf!

05. Juni 2020 > Once upon a time..

Once upon a time.. Es war einmal.. Mit diesen Worten beginnen nicht nur Märchen, auch viele Erzählungen aus früheren Zeiten beginnen mit dieser Einleitung. Also warum nicht mal zurückblicken? Zurück auf die 50-iger Jahre des letzten Jahrhunderts.

Es war einmal ein Gossvater mit seinem kleinen Grossbub. Der Grossvater hatte sich aus einer ausgebeuteten Kiesgrube ein Paradies erschaffen und gab ihm auch den Namen "Paradiesli.“ Etliche  Jahre war das auch die „weite Welt“ des Grossbubs, war für mich Prärie, Rocky Mountains, Sambesi und Serengeti zugleich.

Mit Hilfe internierter Polnischer Soldaten hatte er den Kiesboden der Grube mit Humus bedeckt und mit Remise, Wagenschopf, Hühner- und Schafstall mit Heubühne eine kleine Farm gebaut. Zwei Dutzend Schwarznasenschafe, eine Schar Leghorn und Sussex Hühner, ein paar Gänse und verwilderte Hauskatzen teilten mit Grossvater und mir das Paradies. Prächtige Apfel- und Kirschbäume, Basler Chlöpfer, rundeten die Idylle ab. Auf der einen Seite bildete eine steile Kieswand, auf der andern Seite ein Bach, die Langete, die Grenzen dieses Paradieses. Das war mein Reich, es roch nach Heu, nach Schafstall, nach Fuchs, Marder und Illtis. Im Bach hatte es Forellen und gleichzeitig Ratten, die sich an den Schlachtabfällen einer oberhalb gelegenen Metzgerei gütlich taten. Im selber gebauten Teich quakten Frösche, auf der Oberfläche schwammen Wasserlinsen und in Asthaufen sonnten sich Ringelnattern. Hier wurde mein Interesse an der Natur geweckt. Die Vögel hatten es mir besonders angetan, der Gartenrotschwanz war einer meiner Lieblinge.

Ein Paar dieser zierlich schönen Vogelart brütete über Jahre im Paradiesli, immer am selben Ort, unter dem dreieckigen Firstblech des Junghennenhauses. Jeden Frühling wartete ich auf die Rotschwänze, schaute ihnen beim Nestbau zu und kontrollierte in kindlich unbekümmerter Art die Anzahl Eier, das Alter und Gedeihen der Jungen, liess sich das Nest doch wie eine Schublade hervorziehen und wieder hineinschieben. Once upon a time..

 

Der Gartenrotschwanz ist in den letzten Jahrzehnten immer seltener geworden. Verlust des Lebensraumes ist die lapidare Erklärung für viele Vogelarten die das gleiche Schicksal erleiden. Umso erfreulicher, dieses Jahr im Uebergang Rebberg - Privatgärten - Obstbäumen der Schlosshofstatt Spiez, zwei fütternde Paare Gartenrotschwänze, ein weiteres singendes Männchen und evtl. noch ein weiteres Paar, also 3-4 Paare auf einer Wegstrecke von einem Kilometer beobachten zu können. Im ganzen Gebiet wurden -zig Holzbeton-Nistkästen der Marke Schwegler aufgehängt. Noch fehlt der erhoffte Wendehals, aber die Ersatzmieter sind ebenso willkommen!

> Link Gartenrotschwanz Vogelwarte

> Link Gartenrotschwanz

02. Juni 2020 > Wie ruft denn eigentlich ein Gleitaar..?

Ja, wie ruft denn dieser wunderschöne Greifvogel eigentlich? Jedenfalls nicht wie Sie vielleicht erwarten würden. Noch unschlüssig, ob ich doch noch ins Seeland fahren soll, um in den Feldern von Kerzers nach der Ausnahmeerscheinung zu suchen, habe ich ganz spontan mal auf dem iPhone den Ruf des Gleitaars angeklickt und war dann doch etwas überrascht. Eine Ruffolge von huit, huit, huit.. tönte so gar nicht nach Greifvogel. 

Okay, los gehts. Der Vogel war am Mittag noch gemeldet worden und im Gebiet angekommen musste ich nicht lange suchen, der Greif mit seinen hellweissen Körperpartien war mit dem Fernglas schnell gefunden.

Nun war die Frage, wie und von wo ich zu Aufnahmen kommen könnte? Der Greif war zu weit weg, zudem flimmerte die Luft über der hochstehenden Heuwiese, also keine Chance für mehr als ein verschwommenes Belegbild. Was nun? Ich machte trotzdem mal die Fotoausrüstung bereit und entschied mich, im Schatten eines Busches am Feldwegrand abzuwarten, ob der Greif doch mal seine Warte verlassen würde.

Warten hiess also die Devise. Eine halbe Stunde verging, ausser gelegentlicher Gefiederpflege machte der Vogel keine Anstalten, seinen Platz etwas näher zu mir zu verschieben. Mich durch das hohe Heugras anzuschleichen kam nicht in Frage, der Bauer hätte daran sicher keine Freude. Also blieb spasseshalber nur der Griff in die Trickkiste. Ich montierte mein Fernrohr auf dem Stativ um allfällige Reaktionen des Vogels besser sehen zu können und versuchte dann so gut als möglich, die huit, huit, huit - Pfiffe nachzupfeifen. Und was ich nicht erwarten durfte, der Vogel schien darauf zu reagieren, wechselte die Sitzstellung im Busch, schaute in meine Richtung und antwortete mir mit eigenem Pfeifen. Das Wechselspiel ging 3-4 mal hin und her und dann flog der Greif tatsächlich in meine Richtung, umkreiste meinen Standort und baumte dann, ca. 50m weit entfernt, auf einem Weissdornbusch auf. Die Ueberraschung war perfekt! Nachdem er trotz seines Suchfluges keinen Artgenossen entdecken konnte, flog er nach einigen Minuten wieder zu seinem alten Standort zurück und ich hatte ein paar Bilder im Kasten. Eine unglaubliche Geschichte!