31. März 2020 > Der Zwergtaucher, unser kleinster Lappentaucher..

Der kleine Federball zeigt sich eher als scheuer Geselle, sucht meistens die Nähe des schützenden Schilfsaums. Während der Brutsaison meidet er an sich die offene Wasserfläche, ist aber sofort bereit, einen Artgenossen mit lautem Triller zu vertreiben. Die Aufnahme von heute entstand beim Warten auf das Sumpfhühnchen am schmalen Altwasserkanal vor dem Turm des Gwattlischenmooses.

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30. März 2020 > Isola - Insel - Isola-tion..

Im frühmorgendlichen Halbschlaf melden sich die ersten Gedanken. Zum Tag, zu Corona, zur Situation; Konkretes, Verschwommenes. 

Durch das geöffnete Fenster sind die Vogelstimmen immer deutlicher zu vernehmen. Eine Amsel übernimmt die Stimmführung, lässt ihren flötend-krächzenden Morgengesang im Quartier ertönen. Noch nie hatte sie den Konzertsaal so für sich allein. Die Siedlung ist mucksmäuschenstill. 

Ein erster Blick durchs Fenster hinauf in den Wald, ein zweiter auf der andern Seite auf die Stadt, auf die Stockhornkette, in den Garten. Unser Haus, eine Insel im Corona-Modus. 

Insel - Isola - Isola-tion? Zeit zum Aufstehen, Fotorucksack und Fahrrad sind bereit. Die Stadt schläft noch, die Strassen sind fast menschenleer. Distancing ist kein Problem. Mein Ziel ist das Gwattlischenmoos und meine Zielart ein Kleines Sumpfhuhn, das im Gebiet beobachtet wurde. Ein paar Stunden allein auf Pirsch. Ich geniesse die Abwechslung, ein Stück Normalität!

Das Hühnchen ist nur Amselgross, im Schilfbereich fast nicht sichtbar und flink unterwegs. Auf meinem Ausflug an die Ergolzmündung musste ich 5 Stunden warten, bis sich das Hühnchen doch noch zeigte. Ich wusste also, was mich erwartete. Die Aufnahmen im Slider zeigen, dass mir das Glück beistand.

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22. März 2020 > März, der Spechtmonat..

Bald ist Ende März, dem Spechtmonat schlechthin. Beste Zeit um den Trommlern nachzuspionieren. Zwei Grünspechte am Waldrand locken mich am frühen Morgen ans Fenster. Sie haben mich im vergangenen Jahr zum Narren gehalten. Trommeln, rufen und wegfliegen war ihr Spiel. Und das nicht in einfachem Gelände. Steile Hanglage prägt das Bild oberhalb unserer Siedlung und fordert den Suchenden. Ich schwanke in der Entscheidungsfindung, Corona ist allgegenwärtig, drückt auf Moral und Motivation.

Ich sammle in Gedanken Argumente um doch auf Pirsch zu gehen. Mal ein paar Stunden ohne News aus Tageszeitung, Tablet, Radio und Smartphone, das wäre doch eine gute Sache! Ich überwinde mich und mache den Fotorucksack doch mal vorsorglich bereit. Zuerst wartet aber der Liebling der Familie, unser Parson Russel Terrier auf seinen Hunde Trail. Nur mit Fernglas um den Hals, gehts auf eine erste Erkundungsrunde. Die Grünspechte sind wie vom Boden verschluckt. Die Lust ist trotzdem geweckt, also nichts wie los, Tapetenwechsel!

Ich wähle den kürzesten Weg, will möglichst keinem Menschen begegnen, schnell im Wald "untertauchen". Ich steige hoch, lasse die Goldiwilstrasse möglichst schnell unter mir und definiere beim Laufen das neue Tagesziel, Schwarzspecht. Vom Schwarzspecht bearbeitete Baumstrünke treffe ich mehrere an, keiner weist ganz neuen Bearbeitungsspuren auf.

Je höher ich steige, je vielfältiger wird die Struktur des Waldes. Ich liebe den Duft von frisch geschlagenem Holz, auch wenn mich die Holzgewinnung in diesem Wald in ihrer Grobheit wenig begeistert.

Ich verlasse den Holzerweg, steige weiter hoch, halte zwischendurch an um zu Lauschen. Zilpzalp und Mönchsgrasmücke lassen sich vernehmen, eine Heckenbraunelle schleicht sich durch die wegbegleitende Strauchschicht. Ich versuche ein paar Fotos zu schiessen. Eine Gruppe lärmende Eichelhäher weckt dann mein spezielles Interesse. Eichelhäher haben ein grosses Repetoir an Stimmimitationen anderer Vögel, vom Mäusebussard, über Graureiher bis zum Habicht. Sie haben mich entdeckt und lassen dies mit ihrem bekannten Warnruf die ganze Waldgemeinschaft wissen. Also setze ich mich erst mal ruhig hin und tatsächlich wechselt die laute Gesellschaft vom Warnruf überraschend schnell wieder in den Gesangsmodus. Aber was war denn das? Ein laut klagender Ruf lässt mich aufhorchen. Das tönt nach Greifvogel. Falke? Ich checke die Möglichkeiten. Wanderfalke war das Naheliegendste. Die Eichelhäher hatten sich inzwischen in eine dichte Fichtengruppe verzogen. Aus dieser Richtung ertönten die auffälligen Klagerufe. Vorsichtig verschiebe ich mich weiter nach rechts, halte immer wieder an, um mit dem Fernglas eine mögliche Lücke durch die Fichtengruppe zu finden. Und tatsächlich liess sich, noch teilweise von Fichtenästen verdeckt, der Rufer ausmachen. Ich hatte recht, es war ein Wanderfalkemännchen! Ich zog mich ganz langsam zurück um mit einem weiten Bogen eine Stelle mit freigestellter Sicht auf Baum und Falke zu erreichen. Die abgestorbene Lärche überragt alle umliegenden Bäume, für den Falken ein perfekter Anflug- und Aussichtspunkt, um das ganze Revier zu überblicken. Für mich ein toller Anblick und eine erfreuliche Entdeckung. Ich bin sicher, das Wanderfalkenmännchen ist nicht allein.

22. März 2020 > "Wenn es Krieg gibt, gehen wir in die Wüste.."

Die aktuelle Coronoa-Situation engt unsere Bewegungsfreiheit in unbekannter Art ein. Die Restriktionen sind hart und ungewohnt einschneidend. An Tipps und Ratschlägen, wie die gewonnene Zeit genützt werden könnte, mangelt es nicht. Auf Leseratten warten zig-tausend ungelesene Bücher. Eines davon könnte das nachfolgende sein. 

Das Buch mit dem Titel gebenden Namen zu diesem Blog-Eintrag, wurde von einem deutschen Geologen Namens Henno Martin geschrieben. Es ist die Geschichte von zwei deutschen Geologen, die 1935 nach Afrika, in das Gebiet der ehemaligen deutschen Kolonie Deutsch-Südwestafrika, dem heutigen Namibia reisten. Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges mussten Henno Martin und sein Freund Hermann Korn befürchten, als feindliche Ausländer verhaftet zu werden. Sie beschlossen deshalb, sich im Kuiseb-Canyon zu verstecken. Zweieinhalb Jahre dauerte das strapaziöse Abenteuer. Auf unserer ersten Namibia Reise haben wir auf der Fahrt vom Rostock Gebirge nach Swakopmund das Gebiet des Kuiseb-Canyons passiert. Eine grandios unwirtliche Landschaft! 

20. März 2020 > Corona > Krone > Krone der Schöpfung..?

Das Wort Corona, insbesondere dessen Bedeutung und Folgen in Zusammenhang mit dem Corona Virus für uns Menschen, haben Europa in eine Art Schockstarre versetzt. Die Dimension ist gigantisch und löst bei vielen Menschen Betroffenheit und Angst aus. An der heutigen Pressekonferenz hat der Bundesrat Klartext gesprochen. Die Art und Weise wie er das tat, hat mich tief beeindruckt!

 

Nein, ich habe nicht die Absicht, hier einen Exkurs zum Thema Corona zu starten. Aber die gedankliche Auseinandersetzung mit der Krise lassen bei mir auch ungeordnete Gedankensprünge aufkommen. Z.B. Bedeutet Corona nicht Krone? Was ist eine Krone?  Was hat eine Krone für eine Bedeutung? Was ist mit "Krone der Schöpfung" gemeint? Viele Fragen..

An letzterem bin ich hängen geblieben. Wie ist das denn genau? Der Mensch sei die Krone der Schöpfung? Wie wird das in Wikipedia beschrieben? Solche Recherchen laufen bei mir jeweils unter dem Stichwort Altersneugier. 

 

Das Bild links zeigt einen Stammbaum der Wirbeltiere aus dem Jahre 1905. Ganz oben in der Krone dieses Stammbaums sind die Herrentiere (Primates) aufgeführt. Innerhalb dieser Herrentiere ist der Mensch zuoberst in der Baumkrone aufgeführt. Durchaus interessant sich in solche Themen zu vertiefen.

> Link Wikipedia "Krone der Schöpfung"

> Link Wikipedia "Evolutionstheorie"

16. März 2020 > Die Welt steht Kopf..

Der Maler Georg Baselitz ist ein Maler, "der seine Bilder auf den Kopf stellt.." International schaffte er mit dieser ungewöhnlichen Darstellung von Menschen den Durchbruch. Wer sich näher mit Baselitz beschäftigt, wird feststellen, dass seine Malerei mehr ist als ein Gag. > Link Wikipedia

Auch unsere Welt steht aktuell Kopf. Nicht nur unsere kleine "heile Welt", nein global, rundum! Nicht nur irgendwo in Afrika, im nahen Osten, oder in Asien, alles weit weg von uns. Nein, auch wir sind diesmal betroffen. Die Situation beschäftigt, beunruhigt, verunsichert uns. Eine Art gespenstige Ruhe hat fast "über Nacht" das Zepter übernommen. Solche Sorgen sind wir uns nicht gewöhnt. Zeit zum Nachdenken! Zeit zum Malen?

 

Zeichnen und Malen waren in meiner Schulzeit nebst Naturkunde mein Lieblingsfach. Dabei stand damals primär die Fähigkeit, möglichst genau "abzuzeichnen" im Vordergrund. Mit meinem wachsenden Interesse für die Vogelwelt, waren viele Vogelskizzen die logische Folge. Auf die Frage nach meinem Traumberuf hätte ich damals mit wissenschaftlichem Zeichner geantwortet. Meine grosse Bewunderung galt den Zeichnungen und Illusatrationen von Walter Linsenmeier. 

Die Wege verlaufen dann ja bei den meisten Menschen anders, aber mein Interesse für Kunst im Allgemeinen und Malerei sind geblieben. Die eigene Malerei ruht zwar seit geraumer Zeit, ist aber ein Reserve-Hobby, das sich jederzeit wieder aktivieren lässt. 

 

Die iPhone Aufnahme vom Sonntag zeigt die Schönheit der Natur im Kleinen. Leuchtend gelbes Moos (oder Flechte?) auf verwittertem Fichtenholz auf der Schattseite eines Heustadels. Die Kombination mit dem verrostenden Blech zeigt die Kraft der Natur, die jedes menschliche Werk überleben wird. 

Die Malerei schöpft immer aus der Natur, auch wenn das dem Maler, der Malerin nicht bewusst sein sollte. Es gibt keine Form und keine Farbe, die nicht in der Natur zu finden ist. Aus dem Heustadelbild könnte ein solch abstraktes Bild entstehen. Wer ein Auge und einen Bezug zur Natur gefunden hat, wird z.B. auch in ein Bild von Mark Rothko eintauchen können. 

09. März 2020 > Warum beobachte ich Vögel..?

Letzte Woche bin ich auf eine Studienumfrage der Universität Tübingen gestossen. Ziel der Studie: Einstellung und Motivation der Vogelbeobachter*innen bezüglich ihrem breitgefächerten Hobby zu ergründen. Die Antworten waren als Mehrfachauswahl konzipiert. Durchaus spannend, sich gedanklich mit den gestellten Fragen auseinanderzusetzen.

Insbesondere die Fragen zum Stellenwert des Vogelbeobachtens innerhalb der eigenen Lebensgestaltung waren nicht ganz einfach zu beantworten. Kommt das Vogelbeobachten immer an erster Stelle, wenn ja in welcher Form und Ausprägung? Wenn ich rückwärts blicke, stelle ich fest, dass mich das Interesse für die Vogelwelt durch alle Lebensphasen begleitet hat, wellenförmig, in ganz unterschiedlicher Intensität, nie versiegend, aber in vieler Hinsicht beglückend und bereichernd! Der vielleicht wichtigste Aspekt ist für mich das Gefühl von Freiheit. "Frei sein wie ein Vogel!" 

07. März 2020 > "Wo sind die Vögel?" Ein mittelalterliches Wimmelbuch..

Wer kennt sie nicht, die Wimmelbücher; z.B. "Wo ist Walter?" Hieronimus Bosch hat das Triptychon "Garten der Lüste" natürlich nicht als Wimmelbuch gemalt. Die Themen Paradies und Sünde ziehen sich ja durch die ganze Menschheitsgeschichte und Hieronymus Bosch hat sich mit diesem dreiteiligen Gemälde ebenfalls damit beschäftigt. Die Kulturredaktion der NZZ hat sich in der Ausgabe vom vergangenen Samstag diesen Themen - mit Bezug zum Bild von Hieronymus Bosch - angenommen. Ebenfalls lesenswert!

 

Die mittelalterlichen Malerei interessiert mich vor allem aus einem Blickwinkel. Damals entstandene  Bilder zeigen nicht nur religiöse Motive, sondern auch Szenen aus dem Leben der Menschen in dieser Zeitepoche. Malerei als Vorläufer der Fotografie.

Beim "Garten der Lüste" sind es die vielen Vögel die in diesem Bild zu finden sind. Eisvogel, Rotkehlchen, Wiedehopf, Distelfink und Eichelhäher sind leicht zu finden, es hat aber noch viele andere, die als Art zu erkennen sind. "Wo sind die Vögel?" Viel Spass beim Suchen!

Mittelbild des Triptychons "Der Garten der Lüste" von Hieronymus Bosch
Mittelbild des Triptychons "Der Garten der Lüste" von Hieronymus Bosch

05. März 2020 > Ein spärlicher Wintergast..

Unsere Wiesenpieper überwintern vorwiegend im südlichen Europa. In spärlicher Zahl sind sie im Winter auch bei uns anzutreffen. Wenn die Schneedecke aber die sumpfigsten Stellen überdeckt, weichen sie an die Ufer von Fliessgewässern aus. Die Aufnahme entstand im Januar des letzten Jahres an der Aare bei Belp. 

> Link Wiesenpieper Vogelwarte

04. März 2020 > Was haben Ringeltaube und Mittelmeermöwe gemeinsam?

An sich verbindet die beiden Vogelarten nicht viel, wenn man vom Fliegen absieht. Wobei die Grossmöwen sicher die besseren Flieger sind. Während Ringeltauben sich auf dem Zug über jeden Hügel hochkämpfen müssen, können die meererprobten Mittelmeermöwen mit Leichtigkeit Höhe gewinnen, segelnd ihre Kreise ziehen, oder starken Winden trotzen. Gemeinsam haben die beiden Arten in der Eroberung von Siedlungsgebieten.

Die Ringeltaube, ursprünglich ein Waldvogel, ist in den letzten Jahrzehnten immer mehr auch in Siedluungsräume vorgestossen. Vom Wald zuerst in öffentliche Grünanlagen mit Baumbestand und nun auch immer mehr in dichter bewohnte Siedlungsräume. 

Desgleichen hat sich auch die Mittelmeermöwe in Städten neue Lebensräume erschlossen und brütet dort primär auf Flachdächern. Während viele Arten die ungebremste Überbauung weiterer Landflächen als Verlierer erfahren, zählen Ringeltaube und Mittelmeermöwe zu den wenigen Gewinnern dieser Veränderungen.

> Link Vogelwarte "Neuankömmlinge in Siedlungsgebieten"