29. Mai 2020 > Ein farbenprächtiger Tag..!

Die Bienenfresserkolonie im Leukerfeld stand schon lange auf der Ausflugsliste. Dachte immer, die Bienenfresser seien eh zu weit weg für eine ansprechende Aufnahme und die Hide-Fotografie ist ja auch nicht so wirklich mein Ding. Den entscheidenden Input kam dann von meinem Freund Hoschi, der mich mit seinen feinen iPhone-Fernrohrvideos richtig gluschtig gemacht hat. Und erstens kommt es anders und zweitens als man denkt! Dieser Kalauer passt hier bestens. Ein Besuch dieser Bienefresserkolonie lohnt sich für jeden interessierten Besucher, jede Besucherin und insbesondere auch für Kinder. Mit dem Licht im Rücken ist auch der Fotograf gut bedient und die offene Sichtschutzwand, mit mehreren Schiebeöffnungen versehen, hat nicht die Enge eines geschlossenen Hides. Kurz und bündig, ein Highlight für jeden Birder!

27. Mai 2020 > Nachlese Häppchenjäger..

Aus der Nähe betrachtet ist so eine Eintagsfliege ein durchsichtiges "Nichts", bei Baumfalken als Nahrung aber offenbar beliebt. Um davon satt zu werden braucht es aber sicher eine Hundertschaft von diesen Insekten. Diese scheinen bei ihrem Hochzeitsflug den jagenden Baumfalken kaum entgehen zu können. Die Falken fliegen die aufsteigenden Eintagsfliegen meistens mit ausgestreckten Füssen von unten an, packen das Insekt beidfüssig und halten es auch mit beiden Füssen fest, um die Beute während eines nur wenige Sekunden dauernden Bremsfluges zu verspeisen. 

> Link Baumfalke Vogelwarte

> Link Baumfalke

27. Mai 2020 > Ein spezieller Sommergast..

Im Mai 2008 hat Marco Hammel am oberen Ende des Thunersees einen Rothalstaucher fotografiert. Seitdem wird dieser Vogel, man kann annehmen dass es immer derselbe ist, fast jedes Jahr auf dem oberen Thunersee oder auf dem Brienzersee beobachtet. Ich bin dem Lappentaucher, den man normalerweise in der Schweiz eher als spärlichen Wintergast kennt, bisher nur einmal im Mai 2017 in der Weissenau begegnet. Die Beobachtung vom vergangenen Montag war dann noch etwas spezieller. Laut quäkende Schreie vom See her weckten meine Aufmerksamkeit. Das tönte anders als ein Haubentaucher und ein suchender Blick durch eine Gebüschlücke auf den Uferbereich bestätigte meine Vermutung, es war der altbekannte Rothalstaucher, offenbar voll in frühlingshafter Balzstimmung. Wen er mit seiner Balz bezirzen wollte war mir nicht klar, war doch kein Haubentaucher in der Nähe und das Blässhuhn, das ihn agressiv vertreiben wollte, war wohl auch nicht seine Wahl. So blieb ihm nur die volle Aufmerksamkeit des Fotografen, der sich mit der Gegenlichtsituation schwer tat.

> Link Rothalstaucher Vogelwarte

19. Mai 2020 > Die Flugshow der Häppchenjäger..

Jedes Jahr wiederholt sich im Mai die Flugshow der Baumfalken, die im Gebiet Bonstettenpark - Gwattlischenmoos Jagd auf die aufsteigenden Imagos der Eintagsfliegen machen. Die Falken bei dieser Jagd zu fotografieren ist jedesmal eine echte Challenge. Meine Motivation das Gebiet mehrere Male aufzusuchen, wurde aber zusätzlich von der Gewissheit genährt, dass auch Rotfussfalken, auf ihrem Zug ins östliche Brutgebiet, im Gwatt einen Halt einlegen können. Meine Freude war natürlich gross, als mein Wunsch tatsächlich Gestalt annahm. Zwei männliche Rotfussfalken, ein Vogel ausgewachsen, einer im Kleid des ersten Sommers liessen sich den Eintagsfliegenschmaus nicht entgehen. Diese Gelegenheit wollte ich packen! Ich wusste, da musste ich Zeit und Geduld investieren, wie meistens eine Grundvoraussetzung zum Erfolg. Dem Glück lässt sich oft aber auch mit Taktik etwas nachhelfen. 

Tag 1

Equipment bereitstellen, Stativ auf Gepäckträger festzurren, Fotorucksack umschnallen und los gings mit dem Fahrrad Richtung Gwatt. Zuerst holte ich an der Reception des Delta Parks den Schlüssel zum Beobachtungsturm im Gwattlischenmoos. Wollte mich erst mal schlau machen, ob die Falken noch da sind und wenn ja, deren Aktivitäten studieren. Wo ruhen sie, wie lange sind die Pausen, wo fliegen sie vorwiegend, kommen sie in die Nähe des Turms…? usw. 

Erleichtert stellte ich erstmal fest, ja sie waren noch da! :-) Ein hohe Birke, ungefähr in der Mitte zwischen Turm und Südrand des Schutzgebiets stehend, war offenbar der bevorzugte Ruheplatz der beiden. Gefiederpflege war dabei ihre Hauptbeschäftigung und gleichzeitig auch die meinige, ihnen dabei mit dem Fernglas zuzuschauen. Dies war letztlich auf diese Distanz aber nicht sonderlich spannend. Stark flimmernde Luft machte die Aufgabe nicht einfacher, aber ich wollte den nächsten Abflug nicht verpassen. Der Tag war im Rahmen von Belegfotos relativ ernüchternd ausgefallen. Am nächsten Tag wollte ich mich beim Hide am Südrand installieren, vermutlich hätte ich dort am Morgen erst noch bessere Lichtverhältnisse.

Tag 2

Ausrüstung bereit, Velo bereit, derselbe Weg, die Fahrradbremsen quitschen fürchterlich, ein Clean and Check wäre angezeigt.

Ich beziehe wie geplant Stellung beim Hide am Südrand. Die beiden Rotfussfalken sind immer noch da, sitzen für die nächste halbe Stunde auf der Birke und machen keine Anstalten, sich mir mal im Flug zu zeigen. Warten, beobachten, warten. Zwischendurch suche ich zur Abwechslung nach dem dauerknarrenden Drosselrohrsänger im nahen Schilfgebiet. Konzentration sieht anders aus.

Aber was soll denn das jetzt? Die beiden Falken hatten die Birke verlassen und ich konnte es fast nicht fassen, flogen ihre Jagdrunden im Gebiet zwischen Birke und Bonstettenpark, den Beobachtungsturm umkreisend!? Soll ich sofort auf den Turm dislozieren? Erstmal Ruhe und kühlen Kopf bewahren dachte ich, schliesslich bewegen sich die Vögel im Sekundenbereich um das Schutzgebiet zu überfliegen und ich brauche mindestens eine halbe Stunde um mich zum Turm zu verschieben.

Okay, das Bild änderte sich auch in den nächsten zehn Minuten nicht. Alos packte ich meine Sachen zusammen, holte wiederum den Schlüssel im Delta Park und auf dem Turm angelangt, nahm ich zu Kenntnis, die beiden Rotfussfalken hatten es sich wieder auf der Birke gemütlich gemacht.

Die bettelnden jungen Blaumeisen im Nistkasten an der Dachstütze hinter mir und die eifrig Futter heranschleppenden Altvögel erinnerten mich an das im Rucksack wartende Sandwich. Fazit des zweiten Tages: Die beiden Falken hatten bezüglich Jagdgebiet keine Präferenzen, bezüglich Ruheplatz hingegen schon. 

Tag 3

Nach zwei Tagen mit lauter Belegfotos, davon 98 % Papierkorbkandidaten, reifte der Entschluss, mich auf den Beobachtungsturm zu konzentrieren. Entweder haut es hin, oder dann eben nicht. Das tolle Erlebnis, Rotfussfalken ausgiebig bei ihrer Flugjagd beobachten zu können hatte ich ja bereits im Sack, mehr erachtete ich als glückliche Zugabe!

Mein Entschluss, mich auf dem Turm zu installieren war denn auch die richtige Entscheidung. Geduld brauchte es auch an diesem Tag. Aber in der Zeit zwischen zwei und drei Uhr gab es offenbar im näheren Gebiet rund um den Turm kurze Zeitphasen, wo Eintagsfliegen in Schwärmen hochgestiegen sind. Dies lockte umgehend sowohl Baumfalken wie auch die beiden Rotfussfalken an. Zu meiner grossen Ueberraschung war nun auch noch ein Rotfussfalkenweibchen 2. Kalenderjahr mit dabei. Jetzt ging die Post ab! Die jagenden Falken hielten mich auf Trab, trieben mich von einer Turmseite auf die andere, einfach so gut es geht draufhalten, versuchen die anfliegenden Vögel mit dem Fokus zu erfassen, scharf zu stellen, nicht zu verlieren, einfach auf gut Glück den Auslöser rattern lassen! Wow! Das waren spezielle Momente, Adrenalin pur! "Ohne Anstrengung keine Glücksgefühle!"

12. Mai 2020 > News von LeafLove Safari..   Als wärs gestern gewesen..!

Was ist ein Sengi fragt Albert  Voigts auf seinem Newsletter. Bei dem niedlichen Mäuschen mit dem Rüsselchen handelt es sich um eine Trockenland-Elefantenspitzmaus Elefantulus intufi. Fotografiert hat sie mein Freund Albert Voigts auf seiner Farm in Namibia. Für Albert eine beglückende Begegnung, konnte er doch nach all den Jahren anhaltender Dürre nicht unbedingt damit rechnen, dass er dieses Tierchen auf seiner Farm noch antreffen würde. Für mich, als wäre ich fast dabei gewesen.

Als würden die gravierenden Folgen der Dürrejahre nicht der Sorgen genug bereiten, ist nun noch zusätzlich die globale Corona-Krise dazugekommen und hat den Tourismus in Namibia zum Erliegen gebracht. Davon ist auch Albert und Familie mit seinem Unternehmen LeafLove Safari arg betroffen. Ich leide mit ihm und träume gleichzeitig von Namibia. Mögen die grossen feinadrigen Öhrchen und das zierliche Rüsselchen sinnbildlich für die Gabe stehen, selbst die feinsten Töne  der Hoffnung und die seltensten Düfte der Zuversicht aus der Natur Namibias einfangen zu können.

Wer mehr erfahren will, dem kann ich den Newsletter wärmstens als Lektüre empfehlen!

> Link Newsletter LeafLove Safari

11. Mai 2020 > Grünspecht, Ueberraschung des Tages..

Das Wetter lädt nicht unbedingt zu einer Fotopirsch ein. Zudem sollte ich ja ab und zu auch die "vergessenen" Dateien mal durchforsten und aussortieren. Den halben Morgen habe ich mich aber zuerst mit Kleinspechtaufnahmen richtiggehend abgemüht. Die Aufnahmen waren unter ganz schwierigen Lichtverhältnissen im Brutrevier entstanden. Ihre Bruthöhle haben sich die Bauherren hoch oben in einem rindenlosen, sonnengebleichtem Totholzteil eines grossen Laubbaumes gezimmert. Lücken durch das Blätterdach niedriger Sträucher und umgebender Bäume mit Blick zur Höhle sind zum Fotografieren rar. Der Höhleneingang hat eine Nord-Ostausrichtung, wird so nur von frühem Morgenlicht beschienen, während der Rest des Höhlenastes grelles Sonnenlicht reflektiert wie ein Parabolspiegel. Fazit: Die anfliegenden Vögel stehen mal im grellen Licht, dann im Vollschatten, dann partiell beleuchtet, eine sehr schwierige Aufnahmesituation. Resultat: Unter den vielen Aufnahmen hat es eine Handvoll die als Belegfotos problemlos durchgehen, aber bezüglich Quali durchfallen. Okay, habe mich bei der Fotobearbeitung der Kleinspechtaufnahmen geschlagen gegeben, werde es im frühen Morgenlicht nochmals versuchen..:-)

Also zurück zur ursprünglichen Absicht, Fotodateien zu durchforsten. Und siehe da! Kleinspecht im Minus, Grünspecht im Plus! 

 

Kleinspecht Thun 9. Mai 2020
Kleinspecht Thun 9. Mai 2020

04. Mai 2020 > Der Wendehals, ein Vogel mit Tarnkleid..

Ein Fotoausflug in die Rebberge des Jura-Südfusses stand schon lange auf meiner Wunschliste. Am vergangenen Montag war es soweit. 

Im Gebiet Twann - Ligerz hat im 2005, nach jahrelanger Absenz, wieder ein Paar Wendehälse erfolgreich gebrütet. Zwei Jahre später wurde der Wendehals als Vogel des Jahres gewählt; Grund und Motivation für Hans Rudolf Pauli ein privates Artenförderungsprogramm Wendehals zu starten. Dutzende von Nistkästen wurden von ihm und seinen Helfern in den Rebgebieten des Bielersees aufghängt und der Erfolg ist letztlich nicht ausgeblieben. Im Jahre 2016 zählte Hans Ruedi Pauli 13 Brutpaare, wahrlich eine Erfolgsgeschichte! 

> Link Birdlife / Ornis Wendehals