30. August 2018 > Die "Brache" ist nicht mehr..

Die Prognose von Freund Paul Hürlimann nach seinem Besuch von vorgestern, das Feld mit den Lupinen, die ich fälschlicherweise als Sojabohnen betrachtet hatte, werde wohl noch vor dem Gewitter gemäht werden, ist leider eingetroffen. Bei meiner gestrigen Kontrolle sah ich schon von weitem einen Traktor mit montierterter Bodenfräse, womit der Bauer offenbar die restlichen 40 cm Lupinen samt Krautschicht in Häksel verwandelte. Sechs Weisstörche nutzten die Gelegenheit und suchten auf der bereits bearbeiteten Fläche nach Fressbarem. 

Ich stieg aus dem Auto und wartete am Feldrand. Nicht um beim Bauer Reklamationen anzubringen, denn dazu gab es auch keinen Grund und keine Berechtigung. Ich wollte einfach ein paar Worte mit ihm wechseln, ihm berichten was ich in dem Lupinen-Feld für Vogelarten gesehen hatte und wollte ihm die Wichtigkeit solcher Oasen näherbringen. Nicht belehrend, nicht fordernd, weil das nie zielführend sein kann. Ich habe ihm aber auch zugehört, wo ihm als Landwirt der Schuh drückt. Gerade als langjähriger Imker ist er vom Verschwinden naturnaher Flächen direkt betroffen, weist aber zu Recht auf die ausufernde Bautätigkeit hin, deren Umgebungsflächen keine produktiven Aufgaben erfüllen müssten, aber trotzdem meistens naturarm und  trostlos monoton angelegt würden. Da hab er halt schon Mühe, wenn dann immer die Landwirtschaft als Sündenbock herhalten müsse. Diese Argumente zeigen das Dilemma auf, von dem wir mal mehr, mal weniger betroffen, ein Teil der Entwicklung sind. Ich wünschte ihm einen guten Tag und verabschiedete mich mit der Überzeugung, dass solche Gespräche das gegenseitige Verständnis fördern. C'est le ton qui fait la musique! 

Ich beobachtete noch eine Weile die Störche und fuhr dann auf dem gegenüberliegenden Feldweg zurück um an der andern Ecke des Maisfeldes anzuhalten. Es nahm mich wunder, ob allenfalls Blaukehlchen am Rand des Maisfeldes zu beobachten wären. Und siehe da, ich musste nicht lange warten bis sich das erste zeigte, sich vorsichtig aus der Deckung des Maisfeldes wagte, um auf dem abgeernteten Feld nach (toten?) Insekten zu suchen. Insgesamt waren es letztlich zwei Blaukehlchen die sich beobachten und fotografieren liessen. Als sich dann auch noch "mein" Feldschwirl kurz zwischen den Maisstauden zeigte, war die Ueberraschung komplett!

> Link Blaukehlchen

> Link Feldschwirl

Als wollte das Vögelchen mir sagen: "Sieh dir das nur an, diese Bescherung!" Blaukehlchen auf der abgeernteten Lupinen-"Brache"; Gürbetal 30. August 2018
Als wollte das Vögelchen mir sagen: "Sieh dir das nur an, diese Bescherung!" Blaukehlchen auf der abgeernteten Lupinen-"Brache"; Gürbetal 30. August 2018

28. August 2018 > Eine einzige einsame Brache als Nahrungsinsel für Nachtzieher..

Was mit Blaukehlchen begann, setzte sich mit Dorngrasmücke, Feldschwirl, Schilfrohrsänger, Braunkehlchen, Zilpzalp und Teichrohrsänger fort!  Eine unglaubliche Dichte an Vogelarten, deren Anwesenheit die Bedeutung von Buntbrachen nicht besser hätte beweisen können. Alles Nachtzieher, die tagsüber in dieser Brache Schutz, Schatten und Nahrung suchen.

Was wäre wenn? Was wäre das für eine Aufwertung des Gürbetales, wenn statt einer Brache, sich in dieser Intensivlandwirtschaft zehn oder mehr solcher Inseln finden liessen? Wenn sich die Gürbe und die Müsche in einem unverbauten Bachbett ihren Weg suchen könnten? Wenn an einer Flutmulde Limikolen einen Rastplatz fänden? Oder sich ein Feuchtbiotop à la Chrümmi erstellen liesse? 

> Link Feldschwirl

> Link Schilfrohrsänger

> Link Dorngrasmücke

> Link Braunkehlchen

> Link Teichrohrsänger

27. August 2018 > Brachland; ein ornithologischer Hotspot!

Der Feldschwirl ist ein heimlich lebender Vogel. Im Frühling ist es meistens der unverkennbare Gesang der seine Anwesenheit verrät. Man hört den Vogel, kann ihn aber im Dickicht von Sträuchern und Unterwuchs kaum mal richtig betrachten. Einen Feldschwirl während der Herbstzugzeit im Feld zu entdecken und fotografieren zu können, ist wahrlich ein Glückstreffer.

Eigentlich wollte ich im Gürbetal nochmals nach Blaukehlchen Ausschau halten. Was lag näher, als mich wiederum bei der Brache zu installieren, wo ich schon erfolgreich war.

Wie zu erwarten war, zeigten sich in der ersten Viertelstunde nur Feldsperlinge aktiv über der Brache. Die Blaukehlchen hatten bei mir aber Lust auf mehr ausgelöst. Ich wusste, Geduld war gefragt. In Gedanken reservierte ich zwei Stunden für diese Versteckspiel-Fotografie. Alles oder nichts war die Devise!

Mit dem Fernglas suchte ich immer wieder die Brache ab, liess aber insbesondere die nahen Randpartien nicht aus den Augen. Ruhig bleiben und warten; warten auf den Moment! Ich wusste, in der Brache hatte es unbestimmte Kleinvögel, die sich durch ihre Bewegungen im dichten Dschungel der Brache verrieten. Und dann kam der Moment! Was für eine unerwartete Ueberraschung! Ein Feldschwirl machte meine Wünsche wahr und posierte für ein paar Sekunden und genau drei Aufnahmen ausserhalb des Unkrautdickichts. Wow! Gespannt kontrollierte ich das Display der Kamera. Was hat die Brache noch weiter zu bieten?

24. August 2018 > Blaukehlchen im Gürbetal..

Blaukehlchen werden während dem Herbstzug am häufigsten am Rande von Gewässern beobachtet. Auf Schlickflächen im Uferbereich, suchen die Nachtzieher tagsüber, vorwiegend verdeckt und gut getarnt, im Gewirr von Schilfhalmen oder anderer Vegetation nach Nahrung. Im Gürbetal ist das Blaukehlchen zu Zugszeiten spärlich, aber regelmässig zu beobachten. Die meisten Feststellungen gelangen mir mit viel Geduld im Randbereich von Maisfeldern oder auch auf dem offenen Feldweg.

Auf meiner Exkursion vom 21. August wollte ich meine Zeit primär zur Suche nach Blaukehlchen einsetzen. Aus "Erfahrung klug.." suchte ich ein Maisfeld auf, das ich schon bei meinem Turmfalken-Trip im Hinterkopf gespeichert hatte. 

Die Nachbarparzelle des Maisfeldes fiel mir durch eine verwilderte Vegetation auf. Die ca. ein Meter hohe Brache, dominiert von Ackermelde und verdorrten Fruchtständen der Sojabohne, hatte mein Interesse geweckt. Im Dickicht dieser Unkrautbrache könnte, ja musste doch was zu finden sein!

Die sengende Mittagshitze reduzierte die Artenzahl massiv. Vermutlich versteckten sich die ersten Herbstzieher im schattigen und feuchten Unterwuchs von Maisfeldern. Einzig die Feldsperlinge liessen sich nicht abhalten, in Schwärmen in die Brache einzufliegen, um beim geringsten Alarmzeichen sofort wieder im nahen Maisfeld Deckung zu suchen. Feldsperlinge scheinen mir so etwas wie eine Warnfunktion für andere Vögel wahrzunehmen. Ihr normales Gezwitscher zeigt den andern Arten, es ist "alles okay!" Die geräuschvolle Flucht der Schwärme vermittelte "Achtung Gefahr!" Auch das sind natürlich subjektive Interpretationen. Aber letztlich kennt man solches z.B. auch von Arten wie Eichelhäher und Tannenhäher. Anwesendes Wild reagiert auf Warnrufe von diesen beiden Vogelarten. 

Feldsperlinge sind aber auch interessante und lustige Kerle und allemal ein paar Aufnahmen wert. Ihre Aktivitäten gemahnen mich an die Webervogelschwärme Afrikas. Also richtete ich meinen Fokus auf die Feldsperlinge, behielt aber die ganze Brache im Auge. Und das Glück war mir letztlich gut gesinnt. Nach einer ersten Sichtung eines kurz auffliegenden Blaukehlchens im hinteren Teil der Brache war klar, hier bleibe ich für die nächsten zwei Stunden. Das Warten hat sich gelohnt!

> Link Blaukehlchen

> Link Vogelwarte Blaukehlchen

22. August 2018 > Den Turmfalken auf die Krallen geschaut..

An den landwirtschaftlichen Gebäuden in der Gürbetalebene fehlt es nicht an Brutkästen für Turmfalken und Schleiereulen. Dabei fallen Bruten der Schleiereule von Jahr zu Jahr unterschiedlich aus. Dass Schleiereulen anwesend sind, lässt sich anhand der Gewölle feststellen. 

Die Turmfalken scheinen dieses Jahr erfolgreich gebrütet zu haben. Jedenfalls sind zahlreiche Falken anwesend, z.T. noch im losen Familienverband. Während die Altvögel Wiesen und Äcker rüttelnd nach Fressbarem absuchen, versuchen sich Jungvögel vorerst zu Fuss in der Heuschreckenjagd.

Auf den Pfählen eines Weidezaunes sitzend, beobachtete dieser Vogel aufmerksam die nahe Umgebung, ob sich da was tut. Während seiner Sitzwarten-Jagd habe ich vorerst aus noch grösserer Distanz seinem Treiben zugeschaut und ein paar Szenen auf den Chip gebannt. Der Vogel blieb längere Zeit immer in der gleichen Ecke der abgezäunten Weide und liess sich von meiner Anwesenheit offenbar nicht stören. Als er dann den Radius seiner Jagdflüge auch in meine Nähe ausdehnte, war die Aufnahmedistanz perfekt.

> Link Turmfalke

18. August 2018 > Die guten ins Töpfchen, die schlechten ins Kröpfchen..

Wer kennt es nicht, das Märchen "Aschenputtel" der Gebrüder Grimm? Jedenfalls kam mir die Geschichte von Aschenputtel in den Sinn, als ich im Gürbetal den Ringeltauben im abgeernteten Getreidefeld zusah, wie sie eifrig nach Gedtreidekörnern suchten. Mit gefülltem Kropf flogen sie dann Richtung Wald, der am Hang Richtung Kirchdorf - Seftigen an die Ebene anschliesst. Die Brutzeit der Ringeltauben dauert bis anfangs September; sie hatten also noch Junge zu füttern. Es schien mir, dass die Tauben paarweise das Gedreidefeld aufsuchten; kurze Balz-Szenen liessen darauf schliessen.

> Link Ringeltaube

> Link Vogelwarte Ringeltaube

17. August 2018 > Adebar auf dem Weg ins Winterquartier..

Auf ihrem Weg ins Winterquartier hat ein grösserer Trupp Weissstörche im Gürbetal eine Rast eingelegt. Bis zu 50 Vögel wurden diese Woche gemeldet; gestern waren rund 20 Ex. anwesend. Einige waren beringt und bei einem ist die Nummer auf der Aufnahme ablesbar. Werde die Daten an die Vogelwarte weiterleiten. Bin gespannt, von wo der Vogel stammt. 

> Link Weissstorch

> Link Vogelwarte Weissstorch

12. August 2018 > Ueberraschung des Tages..

Der Schlangenadler ist in der Schweiz ein extrem seltener Brutvogel. Im Jahr 2012 gelang im Mittelwallis der erste Brutnachweis und im 2015 im gleichen Gebiet der zweite, der aber leider nicht erfolgreich ausging. Der Jungvogel fiel vermutlich einem Fressfeind zum Opfer.

Auch wenn die Art in den letzten Jahren, insbesondere in der Region Leuk, immer häufiger und regelmässiger beobachtet wird, kann  nicht erwartet werden, dass man diesen schönen Greifvogel so ohne weiteres zu Gesicht bekommt.

Umso überraschter war ich auf unserer gestrigen Wanderung von Realp nach Andermatt, hoch über dem Urschnertal, dass uns bereits beim Start ein Schlangenadler über Realp "begrüssen" würde. Schnell den Rucksack abstellen, Kamera auspacken und auf den Auslöser drücken war meine logische Reaktion. Das montierte Makro-Objektiv liess im besten Fall ein Belegbild erwarten. 

> Link Schlangenadler

> Link Vogelwarte Schlangenadler

12. August 2018 > Zufall oder mehr..?

Zufall oder mehr? Auf einer Mai-Exkursion mit HüPa ins Tal von Arolla waren immer wieder fliegende Trupps Alpenbirkenzeisige zu beobachten. Rufend und mit Gesang machten sie sich jeweils bemerkbar. Zwei Monate später zeigten sich auch im Val Roseg Trupps der gleichen Art, darunter nun auch Jungvögel.

Nun ist die Beobachtung dieser Vogelart in beiden Gebieten absolut normal. Etwas überraschend kann man aber die Aufnahmesituation betrachten. Zufall oder mehr? Sowohl in Arolla wie auch im Val Roseg habe ich auf dem iPhone die Stimme einer bestimmten Grasmückenart abgespielt um zu checken, ob die Art möglicherweise anwesend war. Bezüglich der imitierten Grasmücke hat sich an beiden Orten nichts ergeben. Zu meiner Ueberraschung landete aber beide Male ein Männchen des Alpenbirkenzeisig im nächstgelegenen Baum und ermöglichte mir so die untenstehenden Aufnahmen. War das nun nur Zufall, oder hat beide Male der künstliche Grasmückengesang die Vögel zum Anflug animiert? Ich weiss es nicht. Aber selbstverständlich habe ich die Aufnahmegelegenheit sofort wahrgenommen.

9. August 2018 > Hochzeitstanz in weiss..

Der Baumweissling Aporia crataegi ist bei uns zwischen Mai und Juli anzutreffen. Dieses Paar sah ich im vergangenen Juni im Wallis und war sofort fasziniert von dem Paarungsspiel. Wie ein Derwisch tanzte das Männchen über und rund um die Skabiosenblüte auf der sich das Weibchen niedergelassen hatte. Während das offensichtlich paarungswillige Weibchen sich auf der Skabiose festkrallte, versuchte das Männchen sich in Paarungsposition zu bringen. Nicht einfach auf dieser kleinen Blüte..

Die beiden ermöglichten mir auf jeden Fall in aller Ruhe eine lange Serie von Aufnahmen mit unterschiedlichen Kameraeinstellungen. Mit einer nicht zu kurzen Verschlusszeit wollte ich einerseits die Unschärfe der Flügel in der Bewegung nicht einfrieren, anderseits den  Körper oder Teile davon möglichst scharf abbilden. Das tänzelnde Element sollte in den Aufnahmen sichtbar sein. Die Durchsichtigkeit der Flügel und die Verästelung der Adern unterstützen den erwünschten Eindruck. 

6. August 2018 > Sommerferien 2018; Schmetterlinge und mehr..

Unser Sommerferienziel 2018? SBB-GA amortisieren! Wenn immer möglich ab in die Berge! Der Ziele gibt es ja viele. Z.B. eine Höhenwanderung hoch über dem Saasertal, von Kreuzboden nach Saas Almagell, oder eine Rundwanderung mit Übernachtung in der SAC Windgällenhütte im Urner Maderanertal, oder ein dreitägiger Abstecher ins Engadin. Alll diese Gebiete haben enorm viel zu bieten. Wer Berge liebt, erwartet auf solchen Trips eine beeindruckende Bergwelt samt reicher Flora und Fauna. Dazu gehören natürlich auch die fliegenden Farbtupfer, die Schmetterlinge, deren Schönheit ich fotografisch einzufangen versuchte. Schmetterlingsfotografie «by the way» ist spannend, lehrreich  und gleichzeitig wander- und familienkompatibel. In diesem Sinne habe ich die Aufnahmen nicht erarbeitet, sondern ganz spontan auf den Wanderungen als Schnappschuss "mitgenommen.“ 

Noch sind etliche Schmetterlinge in der Galerie noch ohne Artnamen eingestellt. Die Artbestimmung ist bei gewissen Arten eine knifflige Sache. Allein die Schecken- und Perlmuttfalter wären ideale Sujets auf einem Memory für Fortgeschrittene.