23. November 2018 > Irrgast des Jahres..

Der Hype war gross, als am 18. November die erste Meldung über Swiss Bird Alert hereinkam. Ein Schachwürger, noch nicht ganz sicher bestätigt, sei bei Grandson am Neuenburgersee entdeckt worden. Für Ranking-Freaks war das vermutlich wie ein Alarm bei der Berufsfeuerwehr. Einzig auf Blaulicht mussten sie verzichten. Eine Stunde später kam die Bestätigung und die ersten Fotos; es handelte sich tatsächlich um einen Schachwürger Lanius s. erythronotus, einem Vogel der in ganz Asien seine Verbreitung findet. 

Ich beteilige mich an keinem Ranking, aber ab und zu interessiert mich ein gemeldeter Vogel aus andern Gründen. Meinen ersten Schachwürger habe ich 2004 in Goa Indien gesehen und damals noch mittels Digiscoping durch das Fernrohr fotografiert. Wenn ein solcher Irrgast in Europa auftaucht, fragt man sich unweigerlich, von wo und auf welchem Weg der Vogel wohl hergekommen sei.

Als am Montag, 19. November auf dem iPhone die Meldung aufleuchtete, dass der Vogel noch immer anwesend sei, prüfte ich mal die ÖV-Verbindung Thun - Grandson / Corcelettes und die Wetter-App. Na ja, hin und zurück 5 Stunden Zug- und Busfahrt. Will ich das? Schachwürger in Indien, Schachwürger in der Schweiz? Fünf Stunden Zug- und Busfahrt? Das an einem nasskalten Tag mit leichtem Schneefall? Mit schlechten Fotobedingungen bezüglich Licht? Ich machte trotzdem mal "unverbindlich" meine Ausrüstung bereit und koppelte meinen Entschluss zum Start mit der nächsten Bestätigung, dass der Vogel noch immer da war. Gut, diese kam dann auch prompt und erlöste mich von meinen Zweifeln. Und überhaupt, ich hatte ja ein SBB GA, ein sachlich "überzeugender" Grund nach Grandson zu fahren.

Thun - Bern - Neuenburg - Yverdon - Corcelettes und zu Fuss die letzten paar 100m bis zum Beobachtungsort. Logisch und voraussehbar; ich war nicht allein. Das hatte den Vorteil, dass ich den Vogel auch nicht lange suchen musste. Fernglas auspacken und einfach mal in die gleiche Richtung wie die Kolleginnen und Kollegen neben mir in den Wald hinein spotten. Und da war er. Mal ruhig sitzend, dann wieder kurz den Standort wechselnd, mal kürzer mal länger am gleichen Ort, hielt er die ganze Orni- und Fotografenschar auf Trab. Eine witzige Situation, die Dutzendschaft von Ornis, zurückgehalten von einer unsichtbaren Grenze und der kleine Vogel als Beobachtungs- und Fotoobjekt. Outdoor-Voliere ohne Glas und Maschenzaun. :-)

Okay, ich wollte ja wenn möglich mit ein paar Fotos nach Hause reisen. Das hiess Stativ bereit machen, Kamera und Objektiv auspacken, Sonnenlichtblende montieren, auch wenn weit und breit keine Sonne zu sehen und zu erwarten war. Jetzt kam der schwierigste Teil. Wo könnte der beste Platz zum Fotografieren sein? Wo gab es Lücken im Geäst, die den Vogel schön freistellen würden? Wo hält sich der Vogel oft auf? Und wo war denn überhaupt ein Standplätzchen frei? Ich wartete auf den Moment, um einen Abgang sofort auszufüllen. Jetzt oder nie! Die Stativbeine kreutzten sich zwar wie die Zeltschnüre auf einem Zeltplatz in Rimini in der Hochsaison. Aber man ging pfleglich miteinander um, niemand wollte die Fotosession stören.

Die ersten Probefotos, einfach mal in den Wald hinein, zeigten schnell, dass die Lichtverhältnisse, wie vermutet, schlecht waren. Die Wahl bestand zwischen (zu) hohen ISO-Zahlen mit Rauschen oder (zu) langen Verschlusszeiten mit Verwackeln. Ich entschied mich für längere Verschlusszeiten. Das heisst, ich wählte Verschlusszeiten bis zu 1/25 Sekunde, in der Hoffnung, dass die auf Serie eingestellte Bildrate mit gütiger Hilfe des Stabilisators mir doch ein paar wenige, aber brauchbare Aufnahmen liefern würde. Es waren sehr wenige! 

> Link Schachwürger Wikipedia

Schachwürger Lanius s. erythronotus Grandson/ Corcelettes Schweiz 19. November 2018
Schachwürger Lanius s. erythronotus Grandson/ Corcelettes Schweiz 19. November 2018

21. November 2018 > Steinwild am Niederhorn..

Die Steinböcke im Gebiet Niederhorn - Burgfeldstand - Gemmenalphorn sind sich an Menschen gewohnt. Einmal ist es vielleicht ein alter Bock, der die Wanderer durch seine imposanten Hörner beeindruckt, oder ein andermal ist es ein Kitz, das mit seinen noch winzigen Spiesschen und dem feinwolligen Fell,  das eine oder andere "Jööhh" auslöst. Für viele Kinder und Erwachsene ist es ein besonderes Erlebnis, diesen Tieren so nah begegnen zu können.

Ich freue mich ebenfalls jedesmal an den Tieren, aber durch die verlorene Scheu geht auch deren "Wildheit" etwas verloren. Das hält mich natürlich nicht davon ab, ab und zu ein paar Aufnehmen "mitzunehmen", aber so richtig "klick" machte es bisher nie, was auch an meiner fehlenden Planung liegt. Muss mal ein "Projekt Steinbock" starten, Bilder mit Action und Dynamik wären das Ziel.. :-)

Vorerst trotzdem ein paar Bilder aus diesem Jahr, mit dem äsenden Bock im Frühling und der Geiss mit ihrem Kitz aus dem aktuellen Monat.

13. November 2018 > "Der Flughüpfer.."

"Ein "Katzensprung" von Thun entfernt und schon bin ich in einer anderen Welt. Ein kurzes Stück Weg und man ist allein. Dabei suche ich nicht die Einsamkeit, ich suche die Stille, die die Geräusche und Töne aus der Natur ungestört bis zu meinem Ohr dringen lässt.. Sich hinsetzen und mal einfach beobachten und abwarten, ob sich etwas regt. Ganz allein bin ich nicht; zwanzig Meter entfernt von mir, mal auf, mal halb verdeckt hinter der Krete, äst eine Steinbock-Geiss mit ihrem diesjährigen Kitz. Ab und zu schaut sie zu mir herüber. Offenbar vertraut mit Menschen, scheint sie aber trotzdem immer bereit zu sein, um mit ein paarSchritten in den Steilhang zum Justistal hinab, möglicher Gefahr zu entfliehen.

Ich mache meine Kamera bereit um ein paar Aufnahmen der beiden zu schiessen. Ich suche nach einem attraktiven Aufnahmeort, wenn möglich ohne blauen Himmel, lieber Ton in Ton mit dem Braun der Alpweide. Ich möchte möglichst naturnahe Aufnahmen, es sind ja zwei wilde Steinböcke und nicht  Schafe. Gar nicht so einfach, bin jedenfalls nicht so recht überzeugt von meiner Arbeit. 

 

Vom Justistal her vernehme ich das Kollern eines Birkhahnes. Auf dieser Steilhangseite des Niederhorns habe ich bisher noch keine Birkhühner angetroffen, aber warum nicht ein erstes Mal? Ich suche den Birkhahn mit dem Fernglas, offensichtlich zuerst viel zu weit weg. Ich wechsle meinen Standort und jetzt seh ich ihn, weit unten balzt er am Boden. Zum Fotografieren doch ziemlich weit entfernt. Ich schaue ihm zuerst bei seinen Balzsprüngen zu. Irgendwo muss ein Weibchen in der Nähe sein, er scheint ganz aufgeregt zu sein. Ich entschliesse mich, doch ein paar Aufnahmen zu machen, sei es nur versuchshalber, es kostet ja nichts. Die Bodenbalz bringt doch ein paar brauchbare Bilder, insbesondere die "Flughüpfer" haben eine gewisse Aussagekraft.

Er hat genau wie ich, einen Ort der Stille gesucht, er für eine ungestörte Balz und ich, um als stiller Betrachter ihm dabei zuzuschauen.

> Link Birkhuhn

> Link Birkhuhn Vogelwarte

05. November 2018 > Grünfinken fressen Thuja-Samen..

Thuja-Hecken sind leider nach wie vor beliebt und werden primär als Sichtschutz angepflanzt. Als Naturhecke haben sie aber praktisch keine positive Wirkung, in Form geschnitten schon gar nicht. Etwas anders sieht es offenbar aus, wenn Thuja ohne Schnitt weiter wachsen kann und sich damit auch Zäpfchen bilden können. Zwei Thuja-Bäume, links und rechts als Eingangspforte zum Garten angepflanzt, liess der Nachbar einfach mal wachsen. Vermutlich wollte er vor zwanzig Jahren eigentlich zwei Mittelmeerzypressen pflanzen, hat dann aber fälschlicherweise Thuja gepflanzt. Nun haben sich Zäpfchen gebildet und die darin enthaltenden Samen werden, wie die Fotos beweisen, offensichtlich von Grünfinken gefressen. Gesellschaft leisteten ihnen dabei auch Haussperlinge. Bei meinen Recherchen im Web zum Frass von Thuja-Samen durch Vögel fand ich Beiträge, in denen sich Volierenhalter zur Verfütterung von Thuja-Samen austauschten. Dies primär aus dem Wissen, dass Thuja-Blätter hochgiftig sind und Zäpfchen möglicherweise auch. Einen interessanten Beitrag fand ich zu freilebenden Halsbandsittiche in Wiesbaden, die erwiesenermassen ebenfalls Thuja-Samen frassen.

> Link Morgenländischer Lebensbaum (Thuja) Wikipedia

> Link Halsbandsittich

01. November 2018 > Die Jungfernkraniche von Khichan..

Der Film < Der Kult um heilige Tiere > wurde am 30. Oktober 2018 auf SRF 2 ausgestrahlt. Er war noch ein paar Tage online, kann aber auch auf YouTube angesehen werden. https://youtu.be/b1HLZuO8YQ8

Die Filmaufnahmen von Jungfernkranichen im Dorf Khichan in Rajastan zeigen ein unglaubliches Spektakel. Seit bald fünfzig Jahren füttern Mitglieder der Religionsgemeinschaft der Jain überwinternde Jungfernkraniche. Zu Tausenden kommen sie jeden Tag an diesen Ort um sich an den ausgestreuten Hirsebahnen gütlich zu tun.

Auf unserer Rundreise durch Rajastan im 2012 wollten wir uns dieses Schauspiel nicht entgehen lassen. Auf einer Dachterrasse, eines direkt gegenüber dem Fütterungsplatz gelegen Hauses, konnten wir die im Minutentakt eintreffenden Kranich-Trupps bewundernd willkommen heissen. In dieser Art wohl eines der spektakulärsten Beispiele einer Beziehung zwischen Mensch und Vogel. Wie alles begann ist auf Wikipedia nachzulesen.

> Link Jungfernkranich

> Link Wikipedia zu Khichan