Wie habe ich mich gefreut, im Januar 2022 Albert Voigts in Zürich an der Fespo zu treffen! Think pink, think positiv habe ich zum Jahresbeginn des zu Ende gehenden 2021 gepostet. Dann halt im 2023, in Zürich oder in Namibia..!!! 


Willkommen auf meinem News - Blog..

17. Januar 2022 > Tischlein deck dich, ein Knospenschmaus..

Wir essen ja auch nicht jeden Tag Karotten..

Das Gimpelmännchen hat heute Abwechslung in den Menueplan gebracht und sich den Knospen des Schwarzdorns gewidmet. Moral der Geschichte? Bepflanze den Garten mit einheimischen Sträuchern und du wirst dich an solchem Besuch erfreuen können.

10. Januar 2022 > Sturmmöwen gesucht und gefunden..

Sturmmöwen sind nicht so zutraulich wie Lachmöwen, sitzen meist etwas weiter draussen auf Kiesinselchen und sind entsprechend schwieriger zu fotografieren. So musste ich geduldsam vorgehen, mich ihnen ganz langsam nähern, bis dann nach einigen Anläufen doch ein paar Aufnahmen dieser schönen Möwenart im Kasten waren. 

> Link Sturmmöwe

> Link Sturmmöwe Vogelwarte

10. Januar 2022 > Tischlein deck dich, ein Beerenschmaus..

Ein Gimpelpärchen hat in unserem Garten die Beeren des Gemeinen Schneeballs entdeckt. Immer wieder eine schöne Beobachtung! Das hiess Kamera bereitstellen und im richtigen Moment durch die Glasscheibe hindurch abdrücken. Ich weiss, die Fenstergläser hätten wieder mal eine Reinigung nötig..:-)

> Link Gimpel

> Link Gimpel Vogelwarte

07. Januar 2022 > Genève Plage im Winter..

Am vergangenen Samstag wollten wir eine beliebige Stadt besuchen. Warum nicht Genf? Das versprach erstens eine gemütliche Fahrt mit dem Zug und zweitens für die Stadt für uns Neuland. Mal durch die unbekannte Stadt schlendern, Neues entdecken.

Das nasskalte Wetter lässt uns schnell mal Ausschau nach einem gemütlichen Beizli halten. Vor einem Libanesischen Restaurant bleiben wir stehen, studieren die Speisekarte, sieht verlockend aus. Kurz entschlossen versorgen wir den Regenschirm und hinein gehts an die Wärme. Im Raum duftet nach Minze! Aus dem geplanten kleinen Imbiss wird letztlich eine längere Tafelrunde. Die Speisekarte hält was sie verspricht, die leckeren orientalischen Speisen lassen uns das unfreundliche Wetter völlig vergessen. Irgendwie kommt fast Ferienstimmung auf.

Mit dabei war auch der schwere Fotorucksack. In den windgeschützen Hafenanlagen überwinternde Enten waren mein fotografisches Ziel. Genf ist ein erfolgsversprechender Platz um im Winter Moorenten beobachten zu können. Wir waren beim Libanesen zu lange sitzen geblieben, eine kurze Regen-Exkursion musste aber doch noch sein. Im Unterschied zum Besuch im Januar 2018 waren die Zugänge zu den Hafenanlagen am Samstag leider geschlossen und die anwesenden Kolben- und Moorenten somit nicht in fotografischer Reichweite. Drei Löffelenten, zwei Männchen und ein Weibchen retteten aber auch diesen Teil unseres Trips. 

> Link Moorente

> Link Kolbenente

04. Januar 2022 > Ein orientalischer Gast im Garten..

Zierlich und feingliedrig, ein Täubchen das aus dem Hut eines Zauberers entflogen sein könnte.

In meiner Jugendzeit war die Türkentaube in der Schweiz  noch ein seltener Brutvogel der aber rasch neue Gebiete besiedelte. Ihren Namen hat sie aus der Türkei "mitgebracht." Ihr ursprüngliches Verbreitungsgebiet reichte aber von der Europäischen Türkei bis nach Japan. 

> Link Türkentaube Vogelwarte

> Link Türkentaube Wikipedia

30. Dezember 2021 > Ausblick ins 2022.. Die Hoffnung stirbt zuletzt!

Ein Jahr geht zu Ende. Immer die hohe Zeit für alle Medien einen Rückblick zu wagen. Dies ergibt jeweils eine bunte Auflistung von Ereignissen bei denen fast ausnahmslos der Mensch seine Finger im Spiel hatte. Dabei wird fast etwas krampfhaft versucht, all den Katastrophen- und Elendsmeldungen aus aller Welt auch ein paar erfreuliche Erreignisse stützend beiseitezustellen. Auch wenn das Wiederfinden von gegen zehn ausgestorben geglaubten Tierarten an sich eine erfreuliche Sache ist, wird diese Meldung von den gegen 40'000 vom Aussterben bedrohten Arten völlig platt gedrückt! Und die Abwärtsspirale dreht sich weiter.

> Link Rote Liste bedrohter Teir- und Pflanzenarten, Quelle WWF

Wie sagt man doch so schön, "Die Hoffnung stirbt zuletzt!" 

In diesem Sinne wünsche ich uns trotz allen Widerwärtigkeiten eine grosse Portion Neugier und Begeisterung, Gesundheit und Wohlergehen. Dies in der Hoffnung, dass sich der Pandemie-Knoten in der Frühlingssonne des 2022 auflösen wird..

26. Dezember 2021 > Papa erzähl mal.. Corona und kein Ende in Sicht..

Machst du aus deinem Blog eigentlich einen Adventskalender? Die Frage kam für mich überraschend, so hatte ich das nicht im Sinn, aber warum eigentlich nicht? Die kleinen Geschichten, geborgen aus den Erinnerungen an eine Zeit, die schon lange zurück liegt, bringen mich auf andere Gedanken, setzen der Corona-Müdigkeit etwas Erbauliches entgegen. 

Die Physikstunde..

Das Physikzimmer war weisser als weiss, richtig jungfräulich weiss. So weiss, weisser gehts, physikalisch gesehen, vermutlich gar nicht. Es scheint mir wichtig, dieses Weiss so zu schildern, damit dem spannendsten Teil der Geschichte die damit verbundene Dramatik zu Teil wird!

Wir, das heisst ich und meine Mitschüler und Mitschülerinnen, betraten also bewundernd das neu renovierte Physikzimmer. Malermeister Amman, Mitschüler Sämus Vater, hatte da ganze Arbeit geleistet. Nun gut, mit dem Eintreffen des Lehrers verstummten die Kommentare zum Weiss, wir waren ja schliesslich nicht hier, um Malermeister Ammans Werk zu begutachten. Wir waren für die Phsyikstunde in dieses Zimmer beordert worden. 

 

Zu den Fächern Physik und Chemie hatte ich  eher ein ambivalentes Verhältnis. Die Liste der chemischen Elemente war lang und das Auswendiglernen, jedenfalls für mich, eine Fortschreibung des Wortes lang, eine lang-weilige Sache. 

In der heutigen Lektion waren, Gott sei Dank, keine Formeln und keine chemischen Symbole das Thema; heute war "Dampf" angesagt. Wir Knaben wussten natürlich um was es ging. Damals war die Definition und Zuordnung männlicher und weiblicher Eigenschaften und Neigungen, mindestens in den Köpfen der Männer am Stammtisch der Dorfbeizen frei von Zweifeln, da von Gott gegeben. Damit will ich nicht von der Physik zum Religionsunterricht wechseln, nein, ich wollte einfach sagen "Es isch e so gsy u fertig!"

 

Nicht ganz fertig war offenbar unser Lehrer mit der Unterrichtsvorbereitung, er musste noch irgend etwas holen. Eifrige und interessierte Schüler nutzen die Zeit in solchen Situationen für etwas Gescheites, dumme Schüler bauen nur Mist. Diese Einteilung in Gescheit und Dumm war schulpädagogisch so ziemlich unbestritten, wir Knaben konnten diese Formel aber kaum nachvollziehen. Der Lehrer liess sich Zeit. Zeit genug, so dass sich der Klassenbeste, unterstützt von zwei Freunden entschloss, seine selbstgebaute Dampfmaschine in Betrieb zu nehmen. Das war nicht etwa so eine kleine Spielzeugdampfmaschine der Marke Märklin, nein seine Maschine hatte einen Feuerraum, dessen Grösse nach mehr verlangte als nach ein paar Meta-Tabletten; da konnte man richtig einfeuern. Der Wasserkessel war entsprechend gross und massiv, eine echte Dampfmaschine eben.

 

Gespannt schauten wir andern den drei Dampfmaschinisten zu. Im Feuerraum loderte es und das Feuer forderte umgehend nach Brennholznachschub. Das mitgebrachte war schon fast verbraucht, das Wasser im Kessel aber noch nicht auf Dampftemperatur. Was jetzt? Brennholz war gefragt! Einer der drei Maschinisten - und hier beginnt der spannende Teil der Geschichte, verliess eilig das Zimmer und kehrte ein paar Minuten später mit dem Gesuchten zurück. Jetzt musste es schnell gehen! Es hiess das Holz, genauer gesagt, ein Ast des Holunderstrauches, der neben dem Schulhausmist ein eher darbendes Leben führte, über dem Knie in  Stücke zu brechen und dann, rein ins Feuer damit! Das hatte Folgen. Die Maschine fing auf ihrem Sockel zu vibrieren an, Schwungrad, Kolben und Pleuel setzten sich in Bewegung, immer schneller, immer schneller, schneller als Mutters neue Nähmaschine! "Einfeuern, einfeuern!" rief einer, "los gibs ihr!" ein anderer. Alle schauten gebannt auf die Dampfmaschine, die sich auf dem Tisch langsam selbständig in Bewegung setzte und sich immer näher zum Tischrand hin bewegte. Die Maschinisten hielten das wildgewordene Teil beidhändig am Holzsockel fest. Langsam, für die Beteiligten wohl eine Ewigkeit, liess die Vibration nach und die Maschine kehrte in den Modus "Dienst nach Vorschrift" zurück.

Aber oh Schreck, was war denn das? Dem Kamin der Dampfmaschine entfloh schwarzer Rauch, der sich hochsteigend an der noch vor kurzem schneeweissen Decke niederschlug, als wollte er dem letzten Zweifler aufzeigen, dass zwischen Schwarz und Weiss halt doch eine erheblicher Unterschied bestünde.

 

Die Klasse teilte sich umgehend in drei Gruppen auf. Der ersten Gruppe, der kleinsten, bestehend aus den drei Maschinisten, war der Schrecken ins Gesicht geschrieben. Ungläubig betrachteten sie die neu gestrichene, ehemals weisse Decke, die der Rauch in eine grauschwarze Fläche verwandelt hatte. Zur zweiten Gruppe gehörten diejenigen, die erwarteten, dass das unausweichliche Donnerwetter des Lehrers auch sie treffen würde. Aus dieser Gruppe kamen Vorschläge wie "Wasser in den Feuerraum.." oder "macht die Fenster auf!" usw.

Zur dritten Gruppe gehörte der Rest der Klasse, die den Zorn des Lehrers aus eigener Erfahrung kannten. Diesmal konnten sie sich entspannt zurücklehnen, sie waren ja unschuldig. Der Spruch des Tages kam denn auch aus dieser Gruppe. "Tolle Rauchkammer! Jetzt fehlen nur noch Speck, Schüfeli und Rippli!."

Das Ende der Geschichte? Fertig lustig! Mitgegangen, Mitgehangen! Malermeister Amman musste nochmals ran. Sämu, sein Sohn musste es richten! Kann mich nicht erinnern, ob wir einen Obulus an die erneute Renovation entrichten mussten. 

25. Dezember 2021 > Papa erzähl mal.. Am Anfang war das Feuer..

Etwas das mir oft passiert. Ein Thema löst ein oder mehrere Folgethemen aus, oder ich bleibe bei der gleichen Thematik hängen. Spannend finde ich es allemal, sich noch weiter in die Materie zu vertiefen. Das Thema der Geschichte der Menschheit ist und war verbunden mit dem Thema Feuer. Ein spannender Film von 3Sat widmet sich u.a. diesen Themen.

https://www.3sat.de/wissen/terra-x/die-ersten-menschen-aus-afrika-in-die-ganze-welt-102.html

18. Dezember 2021 > Papa erzähl mal.. Silberpapierschwäne und mehr..

Lang, lang ist es her. Die eigene Schulzeit ist für die meisten in vieler Hinsicht eine prägende Zeit und bleibt, ob man diese Lebensphase gut oder eher schlecht erlebt hat, im Gedächtnis haften. 

Im Kindergarten..

"Geisch i Gfätterlischuöu?" Auch wenn meine Erinnerungen an diese Zeit verschwommen daherkommen, ein paar Sachen sind noch vage präsent. Fräulein Jörg, so hiess unsere Kindergärtnerin, wurde als Fräulein angesprochen, weil Fräulein Jörg nicht verheiratet war. Eine unverheiratete Frau war damals ein Fräulein, so war das halt, wurde mir erklärt. Aber wie bei andern Sachen, gab es auch in dieser Beziehung keine Regel ohne Ausnahme. "Fräulein noch ein Bier" war die gängige Bestellung in der Beiz, auch wenn das "Fräulein" die bereits ins Alter gereifte Frau des Bannwartes der Burgergemeinde war. Diese Anrede störte damals vermutlich kaum eine Serviertochter, war sie doch meistens auch nicht zwingend die Tochter des Wirts. 

Fräulein Jörg war, soweit ich mich zurück erinnern kann, eine schlanke Frau mit dunklen Haaren. Sie machte mit uns, was man damals im Kindergarten landauf landab so machte. Spielen, Singen, Basteln, Schuhe binden und ab und zu ein Kinderfüdi oder eine Schnudernase putzen. In Erinnerung geblieben ist mir das musikalische Mittagsritual. Die Fingerchen, wie zum Gebet verschränkt, bildeten einen  Kirchenturm, ein Mittelfinger, darunter hängend eine symbolische Glocke und wir Kinder sangen S elfi Glöggli lüütet scho, jetz isch Zyt zum Heimä goh. Ufem Waäg nid ume stoh und ou nid wienes Schnäggli goh. 

> Link zum elfi Glöggli

In der 1. Klasse..

Die Schnäggllizeit ging vorüber, die auf blauem Papier aufgeklebten Schwäne aus Silberpapier verschwanden aus dem Zimmer, denn jetzt ging es richtig los, jedenfalls war das die Meinung der Erwachsenen. "Fröisch die uf d"Schuöu? war die gängige Frage in der Zeit vor dem ersten Schultag.

Keine Ahnung, wer mir damals den Schultornister geschenkt hat, jedenfalls wollte ich einen, dessen Deckel mit Fell bezogen war. Ein schwarz-weisses Kuhfell oder ein braun-weisses war die Qual der Wahl. Im Dorf hatten die Bauern braun-weisse Kühe, also wollte ich solidarisch ein braun-weisses Fell, aber sicher eines mit "Chrüseli." Der Schultornister ist übrigens aus dem Armeetornister entstanden, der im Volksmund "Aff" oder "Haar-Aff" genannt wurde.

Das Etui mit Farbstiften, Bleistift, Gummi und den Ärmelschonern packte Mutter in das eine Fach des Schulsacks, das Butterbrot aus verständlichen Gründen in das andere. Etwas aufgeregt war ich vermutlich schon, an diesem ersten Schultag. Aber alles Neue wird schnell mal zum Alltag. Ich ging gerne in die Schule, ja es gefiel mir, vor allem wenn wir etwas zeichnen durften.

Fräulein Müller, so hiess die Erstklasslehrerin machte uns auf antroposophische Art mit dem Alphabet bekannt. Die Buchstaben mussten, eher durften wir, mit dem Körper, den Armen und den Beinen nachbilden, wobei ich noch weiss, dass der O und der I am einfachsten darzustellen waren. Lustig fanden wir das allemal, aber wie war das denn mit dem Q und dem S? 

In der 2. und 3. Klasse..

Der Sprung vom Erstgägeler zum Zweitklässler war doch ein erhabener Schritt. Wir waren nicht mehr die Kleinsten im Schulhaus, wir konnten das ABC auswendig aufsagen und durften mit den Drittklässlern auf dem Pausenplatz Fussball spielen. Was für ein Aufstieg.

Unsere Lehrerin war wieder ein Fräulein, offenbar heiraten Lehrerinnen nicht, war mein Rückschluss auf diese Feststellung. Fräulein Geiser, eine stämmige Frau, mit fülligen Armen unter kurzärmligen Blusen, langem Jupe, stets mit vorgebundener, mit Stickereien verzierter Leinenschürze, hätte mit ihren rot angehauchten Backen und den zu einem graumelierten Huppi geknoteten Haaren in jedem Bühnenstück von Gotthelf mitspielen können. Eine Lehrerin, wie aus einem Ankerbild. Und die beiden Schuljahre? Natürlich der Wechsel von Bleistift zu Tinte, von der Steinschrift zur Schnürlischrift, lernen ohne Müh, zwei Schuljahre ohne besondere Höhepunkte, die fanden in der Freizeit statt. Doch, da war doch noch die Geschichte von Rulaman! Wie konnte ich den beinahe vergessen!? Ihr kennt Rulaman nicht? Dann ungeniert auf den Link klicken..

> Link Rulaman Wikipedia

Der Sprung in die 4. und 5. Klasse..

Der Wechsel von der Unterstufe in die Mittelstufe. Ein Wechsel vom Fräulein Lehrerin zum Herr Lehrer.  Die Mittel- und Oberstufe war damals noch eine ausgesprochene Männerdomäne. Lehrer mit Kittel und Kravatte. Nun galt es ernst, in der 5. Klasse war die Prüfung für den Uebertritt in die Sekundarschule angesagt.

Unser Lehrer in der 4. und 5. Klasse hiess Herr Marti. Zwei aufregende und spannende Jahre. In den ersten beiden Bankreihen links sassen die Viertklässler, in den beiden Reihen rechts vor dem Lehrerpult die Fünftklässler. Ich weiss, ich wiederhole mich hier, aber das Löwen- und Eisbärenbild haben mich zwei Jahre  lang begleitet. 

 

Lehrer Marti war aber nicht nur ein excellenter Zeichner, er war auch ein Lehrer mit kreativen bis hin zu ausgefallenen Unterrichtsideen. Der Turnunterricht, mit Völkerball und Hallenfussball, nahm ab und zu ein tränendes Ende. Es waren Tränen der Wut, weil Lehrer Marti mit vollem Einsatz in der Mannschaft der 4. Klässler mitmachte und damit verhinderte, dass die 5. Klässler immer als Sieger vom Platz gingen. Unfair war das, ein Skandal sogar, konnten sich einige ereifern. Die hätten gegen uns nie gewonnen, uns nie abschiessen können, wenn dieser fiese Marti nicht das Gleichgewicht auf den Kopf gestellt hätte! Unfair, einfach unfair! Für einige Hitzköpfe war das nicht einfach, nach dem Turnen von Hundert auf normale Unterrichtstemperatur runter zu fahren. 

 

Eines Tages machte im Dorf die Neuigkeit die Runde, bei Lehrer Marti wohne jetzt eine junge Frau. Die sehe aus wie die Schwester von Brigitte Bardot, echt, keine Uebertreibung! Das Dorf hatte ganz neuartigen Gesprächsstoff. Es sei sicher eine Städterin, wahrscheinlich auch aus Bern oder so. Geschminkt und mit durchsichtigen Strümpfen habe man sie beim Bahnhöfli gesehen. Nylon-Strümpfe seien das, Nylon sei ein Kunststoff und eine Nylonfabrik gebe es bei Luzern erzählte man sich am Stammtisch im Bintli. Mein Vater liess es sich jeweils nicht nehmen zu erwähnen, dass er in dieser Fabrik nie arbeiten würde, denn dort gäbe es nämlich "Nie Lohn".

Lohn schien Lehrer Marti in den Augen der dörflichen Klatschtanten sicher genug zu bekommen, denn seine "Brigitte Bartod" steige nicht vor 9 Uhr aus dem Bett, die Duvets seien jedenfalls noch nie vor dieser Zeit auf dem Fenstersims gesehen worden. Und überhaupt, arbeiten gehe sie wahrscheinlich nicht, mit ihren roten Fingernägeln und in diesen Schuhen sei das ja wohl auch kaum möglich. Ich habe ihn gemocht, den Lehrer Marti. 

 

Zum Glück blieb Lehrer Marti bis zum Ende meiner 5. Klasse. Da stand nämlich die Sekundarschulprüfung an. Trotz leichtem Bauchweh ging die Prüfung für mich gut über die Bühne. Ich war erleichtert. Meine Mutter hatte ihren Anteil an diesem Erfolg. Mutter hatte sich immer sehr um meine schulischen Leistungen gekümmert, wenn nötig zusätzliche Lehrmittel gekauft. Dabei holte sie nach, was ihr selber in ihrer Schulzeit vergönnt war. Sie hatte erkannt, was für eine  Bedeutung eine gute Schulbildung für das spätere Leben haben wird. Wir haben beide, ich als Schüler, sie als Mutter, unsere Hausaufgaben gemacht. Es hat sich gelohnt! 

15. Dezember 2021 > Papa erzähl mal.. Haben Sie heute schon ein Selfie gemacht..?

Manchmal kommt man auf sonderbare Gedanken.

Mein Weg von Zuhause zu meinem Stamm-Café führt über eine Fussgängerbrücke über die innere Aare, links folgt der Blick der Aare Richtung See und Alpen, rechts präsentiert sich der Schlossberg mit Schloss, Kirche und Altstadt. Beides Ansichten die zum Fotografieren geradezu einladen. Ab und zu sieht man in wärmeren Jahreszeiten zeichnende Schüler sitzen oder seltener, Unbekannte die mit einer Skizze ihre visuellen Eindrücke  in einem Skizzenbuch festhalten. 

Wenn sich eine Gelegenheit bietet, versuche ich jeweils einen Blick auf die Zeichnungsmappen zu werfen.

 

Auffallend verändert hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten die Art und Weise wie auf der Brücke fotografiert wird. Ab und zu bleibe ich amüsiert stehen und schaue der Sache diskret zu. Es geht fast nicht mehr ohne Selfie, allein, zu zweit oder als Gruppe, mit und ohne Stick, mit eingeübter Gestik und Körperhaltung, mit gekraustem Schmollmund und Kusshand, mit einer oder beiden Händen in den Haaren, ein Bein leicht angewinkelt, Bauch eingezogen. Dann heisst es Atem anhalten, lächeln und dann der erlösende Klick.

 

Google schätzt die Anzahl geschossener Selfies weltweit pro Tag auf 93 Millionen, Tendenz steigend. Foto-Selfies gehören nicht zu meinem Repertoire.

Wenn ich rechne, dass ich in den letzten 70 Lebensjahren (die ersten 5 Jahre geschenkt) einmal pro Tag vor einem Spiegel gestanden bin, hätte ich genau 306'600 mal meinem Spiegelbild in die Augen geschaut. Wenn ich mir es etwas genauer überlege, u.a. dass ich mir ja zweimal pro Tag die Zähne putze, muss die Zahl ja doppelt so hoch sein!? Ich lasse es mal mit dieser Hochrechnung gut sein und verzichte auf weitere mathematische Ueberlegungen wie ich die Zahl auf 1 Million steigern könnte. Aber, eigentlich bin ich fast sicher, dass ich in dieser Hinsicht Millionär sein muss. 😀

 

Eine Möglichkeit sich mal mit Selbstportraits zu beschäftigen, sie macht erst noch Spass, sind Selfies mit Zeichenstift, Kreide, Pinsel und Farbe. Die nachfolgenden Bilder habe ich ohne Spiegel oder Fotovorlage, intuitiv frei aus dem Kopf und möglichst ohne zu zögern, schnell auf Papier gebracht. Probierts doch mal!

15. Dezember 2021 > Papa erzähl mal.. Musik als Lebensgefühl..

Eines der "Stuhlbeine" meiner Kindheit war die Musik. Musik als Medium das berührt, anregt, beschwingt, beruhigt, Gefühle auslöst.

Den wohl ersten, bewusst wahrgenommenen Zugang zu Musik hatte ich im Vorschulalter mit dem Eintritt in den Kinderchor Roggwil . Der Kontakt zur Klassischen Chormusik, nicht nur als Zuhörer, sondern als aktiver Sänger, in einem Alter das ohnehin von Entdeckungen und Neugier geprägt ist, eröffnete mir eine Welt, die massgeblich zur Fundamentbildung beigetragen hat. Musik kann Bilder verstärken, dramatisieren, Spannung erzeugen, Gänsehaut auslösen, ja sogar Angst einflössen. Musik kann aber ebenso Fröhlichkeit vermitteln, Identität stiften, Erinnerungen wecken, kurz alle Sinne ansprechen. Musik verbindet, Musik verändert, Musik baut auf. 

 

Klassische Musik in einem Kinderchor, unter einem Leiter der jede Musik ausserhalb der geistigen Musik als Teufelswerk betrachtete, hielt mich nicht davon ab, auch von andern Musikrichtungen in Bann gezogen zu werden. Die Musik der schwarzen Bevölkerung in Amerika wurde von den amerikanischen Soldaten nach Europa gebracht. African-American Spiritual wie die Musik der schwarzen Bevölkerung Amerikas heute bezeichnet wird, waren die Wurzeln des Gospels, die als christlich afroamerikanische Stilrichtung auch in der Schweiz zunehmend wahrgenommen, am Radio gespielt und in der Kirche Eingang fand. 

> Link African - American Spiritual

> Link Louis Armstrong & Mahalja Jackson - Just A Closer Walk With Thee auf YouTube

Ob Gospel, Jazz, Blues, die Stilrichtungen waren für mich kaum zu trennen. Mich faszinierten vor allem die Stimmen, die Intensität des Ausdrucks, die Leidenschaft des Gesangs, die Wehmütigkeit des Blues, die Authentizität der Musik, die Begleitbilder die mir zu dieser Musik durch den Kopf gingen.

Zwei vordergründig verschiedene Musikwelten begleiteten mich so durch die Schulzeit. Im Chor die Klassische Chormusik und daneben zunehmend die Schwarze  Musik aus Amerika. 

Über Jahre hatten wir Zuhause Untermieter. Bei uns logierten meistens junge Lehrer oder Lehrerinnen. Zum Beispiel ein Fräulein aus dem Emmental oder ein Fräulein aus dem Wallis.. Nicht vergessen habe ich die Geschichte, dass die Mutter des Walliser Fräuleins  auch für das 10. Kind eine lange Wallfahrtswanderung unter die Füsse genommen hat. Erinnern kann ich mich auch an einen Junglehrer, der aus einer Neutäuferfamilie aus dem Jura entstammend, den Lehrerberuf dann aufgab und Prediger wurde. 

 

Einer der Wochenaufenthalter war ein anderer Junglehrer aus Bern. Der junge Mann war als Handballtorhüter des BSV Bern nicht nur Spitzensportler, sondern offensichtlich auch ein Jazz-Begeisterter. Sein Zimmer lag Wand an Wand mit meinem Zimmer. Zum Erstaunen meiner Mutter korrigierte der Lehrer die schriftlichen Arbeiten seiner Schüler jeweils mit untermalender Jazz-Musik. Das konnte sie fast nicht fassen. Jazz und Aufgabenkorrektur? Ist das ein seriöses Paar?

 

Eine Platte lief auffallend viel, so auch an einem Samstagmittag. Als mein Zimmernachbar sich dann auf seiner Vespa Richtung Bern ins Wochenende verabschiedete, nahm ich die Gelegenheit wahr, mal einen scheuen Blick in sein Zimmer, insbesondere auf den Plattenspieler zu werfen. Sonny Rollins hiess der Musiker mit dem freundlichen Lächeln auf der danebenliegenden Plattenhülle!

> Link Sonny Rollins YouTube

Die Musik von Sonny Rollins war quasi mein erster Kontakt zum Instrumental-Jazz. Die Musikrichtung faszinierte mich einerseits als etwas Neues, mir Unbekanntes und anderseits kam diese Stilrichtung bei mir trotzdem nicht richtig an. Der Funkensprung blieb aus, aber meine allgemeine Neugier war geweckt. 

Mein erster, heiss ersehnter Plattenspieler am Ende der Schulzeit, war der Start zu einer eigenen kleinen Plattensammlung. Die Auswahl im Plattenladen in Langenthal war aber äusserst bescheiden, resp. entsprach einfach nicht meinen Wünschen.

Radio Luxemburg war der damalige Geheimtipp. Ein paar Singles von Papa Bue's Viking Jazz Band am Ende der 50-er Jahre war dann meine erste Anschaffung. Dazu natürlich die erste LP mit Mahalja Jackson. Diese Platte hat vermutlich den Boden geebnet, der meine später entdeckte Faszination und Liebe zu Rhythm and Blues begründete.

> Link Papa Bue's Viking Jazz Band - Schlafe mein Prinzchen schlaf..

Mit dem Beginn der 60-er Jahre kam das Ende meiner Zeit in der Volksschule und gleichzeitig war es der Beginn einer musikalischen Revolution in Europa. Die Beatles starteten von Hamburg aus zur Eroberung der Jugend rund um den Erdball. Und ich war mit dabei, ein Teil dieser einmaligen und unglaublichen Geschichte. 

> Link The Beatles 

> Link Th Beatles Wikipedia

Jede neue Single oder LP der Beatles wurde mit Spannung erwartet, jedes Stück von den Hobby-Bands meiner Ausgangs-Region sofort ins Repertoir aufgenommen.

In den Wohnstuben hatte inzwischen ein neuartiges Möbelstück den besten Platz eingenommen. Schwarz-weiss Fernsehen war die neue, sich epidemisch ausbreitende Lieblingsbeschäftigung vieler Schweizer Familien. Ob Skirennen oder Samstag-Unterhaltungs-Quiz, man war dabei. Die Bilder kreischender und z.T. in Ohnmacht fallender Mädchen bei jedem Auftritt der Beatles teilten dann die Fernsehgesellschaft der Schweiz in zwei Lager. Das Thema "Langhaarige" beschäftigte die Armee, die Schulmeister, die Badmeister, die Lehrmeister, eigentlich alle Meister, die meisterhaft wussten was sich gehörte. Meine schon damals schüttere Haarpracht liess allerdings keine Verwechslung zu.

 

Meine Vorliebe für Rhythm and Blues teilte ich mit einem Jugendfreund. Während in unserer Jugendclique keine Einigkeit herrschte, ob jetzt die Beatles oder die Stones die coolere Band wären, hörten wir beide stundenlang Rhythm and Blues. Für mich war und ist sie auch heute noch eine der faszinierendsten und tiefgründigsten Musikrichtungen und jedes Stück weckt Erinnerungen, lässt Bilder aufleben. Die weltweite Ehrerbietung gegenüber der im August 2018 verstorbenen Aretha Franklin zeigte, dass ich meine Bewunderung für diese charismatische Frau mit vielen andern Menschen teile. Aretha Franklin und Otis Redding waren in den 60-er Jahren meine Musik, Musik die in mir die tiefsten Gefühle wecken konnte. 

> Link Aretha Franklin YouTube

> Link Aretha Franklin / Barack and Michelle Obama

> Link YouTube Video Otos Redding

14. Dezember 2021 > Papa erzähl mal.. Am Anfang war das Feuer und die Liegestätte..

Als im Kampf mit den Wagabu das Feuer der Neandertaler erlosch, war das für die kleine Gruppe dieser Steinzeitmenschen im Film "Am Anfang war das Feuer.." eine Katastrophe. Sie kannten die Technik des Feuermachens noch nicht, mussten das Feuer aus Wildfeuern zu ihrer Höhle bringen und Tag und Nacht betreuen. Feuer war für diese Steinzeitmenschen überlebenswichtig. Es schützte sie vor wilden Tieren und am Feuer konnten sie sich erwärmen. Feuer ist ein Teil der vier Grundelemente "Erde", "Wasser", "Luft" und "Feuer"

> Link Wikipedia > Vier-Elemente-Lehre 

Was seit Jahren auf der ungeschriebenen Wunschliste schlummerte, wurde jetzt Realität. Eine Feuerstelle als Teil des Rückzugs in die eigenen vier Wände. Die Pandemie fördert die Sehnsucht nach Wärme und Geborgenheit. Das Feuer muss uns nicht vor wilden Tieren schützen, es wärmt Seele und Füsse..

13. Dezember 2021 > Papa erzähl mal.. Wann haben Sie mit Malen angefangen..?

Vor etlichen Jahren habe ich mal ein Interview mit einem renommierten Maler gelesen. Auf die Frage der Journalistin, wann er denn mit Malen begonnen habe antwortete er mit  dem Hinweis "Ihre Frage ist falsch gestellt. Sie müssten mich fragen wann ich mit Malen aufgehört habe!? Ich würde Ihnen dann antworten, dass dies im Alter von ca. 6 Jahren geschehen ist." Die verwirrte Journalistin hakte nach, wie denn das zu verstehen sei? Seine Erklärung war die Folgende. Die meisten Kinder verlieren mit dem Eintritt ins Schulalter ihre kreative Unschuld, malerisch ihren Gefühlen freien Lauf lassen zu können. Die Anstrengung, im Erwachsenenalter sich diese kreative Welt zurück zu erobern, sei ein schwieriges und oft erfolgloses Unterfangen. 

 

Zeichnen war in meiner Schulzeit eines meiner Lieblingsfächer. Dabei hatte Zeichnen damals aus der Sicht der Lehrer, jedenfalls der meinigen, primär den Anspruch, möglichst detailgenau abzeichnen zu können. Da war ich echt gut und die 6 im Zeugnis hatte ich auf sicher.

Die 4. und 5. Klasse waren zwei spezielle Jahre bei einem speziellen Lehrer. In einer Zimmerecke hatte er zwei je ca. 1 m2 grosse Pastellkreidezeichnungen auf schwarzem Papier an der Wand hängen. Auf dem einen Blatt war ein männlicher Löwe und auf dem andern ein Eisbär zu sehen. Die Zeichnungen hatten es mir angetan und als Herr Marti, so hiess der Lehrer, uns neuen Viertklässler begrüsste, die Fünftklässler waren die Viertklässler des Vorjahres, konnte ich es nicht verkneifen, ihn zu fragen, ob er den Löwen und den Eisbären wirklich selber gezeichnet habe. Herr Marti nickte, ich war sprachlos. So etwas hatte ich bisher nur in den Silva-Büchern gesehen.

Dann kam der Sprung in die Oberstufe und im Zeichenunterricht war Abzeichnen immer noch das Mass der Dinge. Als dann ein junger Stellvertreter unseres Klassenlehrers mir im Zeichnen eine 5.5 verpasste und dem Gloor für seine wilden Farborgien eine 6 schenkte, musste ich ein paar Wuttränen unterdrücken für diese schreiende Ungerechtigkeit. Gloor wurde später Kunstmaler und ohne seine Werke jemals gesehen zu haben, bin ich heute sicher, dass  der Stellvertreter in Gloors Bildern eine Qualität erkennen konnte, zu der ich damals noch keinen Zugang hatte.

 

Mein vertieftes Interesse für Kunst entwickelte sich später aus einem erwachenden Bedürfnis selber wieder kreativ tätig zu sein, gepaart mit der Hoffnung, damit besser in der Lage zu sein, Bilder "lesen" und verstehen zu können. Ich wollte hinter die "Kulissen" blicken können, ein Bild, eine Figur, eine Installation sozusagen auch Backstage erleben. Ich meide Vernissagen, will mich ungestört in einer Ausstellung bewegen, selber Eindrücke gewinnen. So wird Kunst für mich zum Erlebnis.

 

Corona und deren Folgen..

Nach einer längeren Pause habe ich mich wieder auf ein Malprojekt eingelassen. Erstmals im Grossformat 180 x 120 cm.. Ein Neubeginn mit Tücken.

Miro Lothar vom Sturm (Rufname Skip) darf bei uns fast alles. In diesem Fall aber erst wenn die Farbe trocken ist.
Miro Lothar vom Sturm (Rufname Skip) darf bei uns fast alles. In diesem Fall aber erst wenn die Farbe trocken ist.

12. Dezember 2021 > Papa erzähl mal.. Die Vögel Europas, mein erstes Vogelbestimmungsbuch..

Der Feldbestimmungsführer "Die Vögel Europas" von Roger Peterson, Guy Mountfort und P.A.D Hollom, übersetzt und bearbeitet von Prof. Dr. Günter Niethammer war als 1. Auflage im Jahre 1956 das damals wohl bekannteste deutschsprachige Vogelbestimmungsbuch und hat auch mir viele Jahre als Lern- und Bestimmungshilfe auf meinen ornithologischen Exkursionen gedient. Den ersten "Peterson" hat mir meine Mutter geschenkt und sie war es auch, die mich motivierte, doch mal an einer Mai-Exkursion des örtlichen Vogelschutzvereins teilzunehmen. Als Leiter der Exkursion war der schweizweit bekannte Ornithologe Werner Haller, damaliger Chefredaktor des "Gelben Heftes" engagiert worden.

Ausgerüstet mit Windjacke, Stiefeln und umgehängtem Fernglas stapfte ich an jenem Morgen früh Richtung Besammlungsplatz. Keine Ahnung was wir damals alles gesehen haben, aber die Exkursion war für mich ein richtungsweisendes Erlebnis. Mit dabei waren auch Ernst Grütter und Ernst Hönger, beide ein Jahr älter als ich. Aus diesem gemeinsamen Exkursionsmorgen wurde eine Dreiergruppe, die später fast jedes Wochenende, respektive jede freie Stunde irgendwo auf Pirsch und Entdeckungstour unterwegs war. 

Früher entstanden Singvogelaufnahmen fast ausschliesslich am Nest. Am Ort also, wo der Fotograf damit rechnen konnte, dass die Altvögel dahin zurückkehren würden. Es war auch die Zeit als die breit definierte Beringung von Vögeln ihren Höhepunkt erlebte. Heute sind solche Aufnahmen verpönt und die Beringung erfolgt primär projektbezogen und zielgerichtet. Die Aufnahme rechts zeigt eine Eiertafel aus dem "Peterson". Der Feldbestimmungsführer hatte im hintersten Teil 8 farbige Eiertafeln als Artbestimmungshilfe. Das Spezielle daran war für uns Jungornis, dass die Eier aus der Sammlung von Werner Haller stammten. Und das war doch etwas Besonderes, schliesslich waren wir mit Werner Haller persönlich auf Exkursion!

10. Dezember 2021 > Papa erzähl mal.. Mein Name ist..

Mein Name ist Eugen, könnte man in Anlehnung an die Geschichte von Klaus Schädelin den Blog-Titel erweitern. Was wenn ich Eugen heissen würde? Dann wäre ich in der Schule vermutlich vom Eugen zum Öigu umgetauft worden? Nei, da wär ig nid glücklech gsy mit däm grobe Name..

Da hatten meine Eltern vor 75 Jahren mit dem Namen Ueli doch eine glücklichere Wahl getroffen. Gut möglich, dass Jeremias Gotthelf bei der Namenssuche Pate gestanden hat. Am 19. Oktober 1946 wurde die erste von zehn Radio-Hörfolgen von "Ueli der Knecht" ausgestrahlt und nicht ganz zwei Monate später, am 10. Dezember 1946 hat der Storch bei uns Halt gemacht. Damit war der Weissstorch die erste Vogelart auf meiner Artenliste..:-)

Weissstorch August 2021 Gürbetal
Weissstorch August 2021 Gürbetal

Wer rechnet stellt schnell fest, ja ich habe heute Geburtstag. Fünfundsiebzig und kein bisschen jünger. :-) Zeit um innezuhalten, um zurück zu blicken, genau wie es Nora mit ihrem "Papa erzähl mal" sich gewünscht hat und genau so wie ich es schon beim Start meiner Website unter "About me" angedacht hatte. 

 

Ueli hätte ich also getauft werden sollen. Hätte auch geklappt, wenn da nicht eine andere Familie Grütter etwas früher den Storch zu Besuch gehabt hätte und ihren Sprössling prompt auf den Namen Ueli tauften. Es war absehbar, zwei Ueli Grütter in der gleichen Schulklasse? Das ging damals nun wirklich nicht. Praktikabel wurde das erst, als man mit all den allein Zuhause gelassenen Kevins Erbarmen hatte...:-)

 

Den Ueli wollten meine Eltern aber behalten, also stellten sie dem Ueli noch einen Hans voran. Auf dem Taufschein steht es schwarz auf gilb, Hans-Ulrich mit Bindestrich. Der Hans und der Ulrich samt Bindestrich sind in den 75 Jahren treue Begleiter durch sämtliche offiziellen Dokumente, vom Taufschein, über alle Zeugnisse bis zum Dienstbüchlein, vom Pass bis zur Kreditkarte, von der AHV bis zum Login auf dem VacMe-Portal. 

Wer Lust auf mehr Ueli hat, dem seien die Hörfolgen wärmstens empfohlen. Ich habe sie als Schulbub jedenfalls alle genossen!

> Link Hörspiel "Ueli der Knecht" Radio SRF Musikwelle Hörspielklassiker.

06. Dezember 2021 > Papa erzähl mal.. Am Anfang war das Feuer..

"Am Anfang war das Feuer.." ist ein Abenteuerfilm aus dem Jahre 1981, den Regisseur Jean-Jacques Annaud frei nach einer Romanvorlage von J.-H. Rosny ainé gedreht hat. Ein Film der mich begeistert hat. Annaud hatte den Anspruch, das Leben von Steinzeitmenschen möglichst so darzustellen, wie es gemäss wissenschftlichen Erkenntnissen in etwa gewesen sein könnte. Ein Meisterwerk!

> Link zum Film auf Wikipedia

 

Warum ich in diesem Blog-Beitrag auf diesen Film zu sprechen komme? Ganz einfach, der Film ist mir in den Erinnerungen erhalten geblieben. Erinnerungen liegen logischerweise in der Vergangenheit. Den "Auftrag" zurück zu blicken habe ich vor vier Jahren als Geburtstagsgeschenk von Nora erhalten. 

Das Buch "Papa erzähl mal.." dient mir dabei als Themenquelle, Teile meiner Website als nicht einsichtbares Schreibgefäss. 

Ein besonderes Geburtstagsgeschenk..

 

Eine Mischung aus Staunen, emotionaler Rührung, Neugier und Respekt war meine erste Reaktion auf das unerwartete Geschenk. Wie gehe ich das denn an war meine erste Frage? Die Geburtstagsüberraschung war perfekt gelungen! Beim Durchblättern zeigte sich schnell, dass ich da mehr als ein Geschenk erhalten habe! Ein Füllhorn an Fragen, eine Mischung aus Auftrag und Erwartung! Soll das eine Zeitreise durch mein Leben werden? Will ich das, respektive kann ich das? Ich werde es versuchen.. 

 

 

 

Lust und Zweifel..

Ich bin das Buch seither mehrmals durchgegangen. Da wird kaum ein Thema ausgelassen. Das Buch ist weit mehr als ein "Vergissmeinnicht", dem Poesie-Album aus meiner Jugendzeit. Einem Album, ähnlich einem Tagebuch, von der meist weiblichen Besitzerin mit vorreservierten Seiten belegt, auf denen Familienmitglieder, Gotten und Göttis, Mitschüler- und MitschülerInnen, Freunde und Freundinnen, Lehrerinnen und andere wichtige Personen ihre persönliche Widmung samt Zeichnung, Scherenschnitt oder Poesiebildchen hinterlassen konnten. An der vorreservierten Seite, weit vorne oder weit hinten, liess sich ablesen, welchen Stellenwert man in der Widmungs-Hierarchie einnahm. Eine Zurückweisung war für Knaben meistens fast nicht möglich. Jedenfalls nicht bei Mädchen, die bewusst oder unbewusst Einfluss auf den Hormonhaushalt eines heranwachsenden Jugendlichen hatten. 

 

"Mach es wie die Sonnenuhr, zähl die heitren Stunden nur!"

Der Spruch war einer, der fast in jedem Album zu finden war. Weisheiten dieser Art waren die Essenz der meisten Poesie-Alben. Das "Vergissmeinnicht" hatte seine Blütezeit eigentlich im vergangenen Jahrhundert! In einer Zeitepoche, in der auch die Science-Fiction Bücher von Jules Verne entstanden sind. Jules Verne hat in seinen Büchern  viele Dinge vorausgesagt und posthum in vielen Prognosen auch Recht bekommen. Das Internet mit Facebook, Instagram und anderen Social Media-Plattformen gab es damals noch nicht. Die Kontakt- und Kommunikationsformen haben sich erst mit der 3. Industriellen Revolution drastisch verändert, die Welt wurde digitalisiert und globalisiert. Das alte "Vergissmeinnicht" ist in seiner poetischen Form praktisch gestorben, gleichzeitig in neuer Form aber wieder auferstanden. Die Erwartungen und Hoffnungen sind aber die gleichen geblieben..

> Link Poesiealbum Wikipedia

Ich werde versuchen, zu den vielen Fragen querbeet Gedanken zu sammeln, zu verdichten und wenn möglich in Worte und Sätze zu fassen. Nora hat mit feinem Gespür aufgenommen, dass ich mich auch schon mit der Idee befasst habe, vielleicht ein paar Sachen aus meinem Leben aufzuschreiben, mich zu erinnern, einen Rückblick zu wagen. Vermutlich hat sie  auch gespürt, dass mir der Mut fehlen könnte, mich dieser Herausforderung aus eigenem Antrieb zu stellen. Viellicht werde ich auch ab und zu abschweifen, mich in aktuellen Themen verlieren, vielleicht im Dschungel der Gedanken den Faden verlieren, unvollendeten Text hinterlassen, mich aufrappeln, motivieren und neu starten. Mal sehen!

Nora hat etwas angestossen, dafür bin ich ihr dankbar!

Start ins Ungewisse..

Das Buch hat mich "gepackt.“ Meine Gedanken kreisen fast täglich für längere oder kürzere Momente um verschiedenste Themen, verdichten sich und verflüchtigen sich wieder. Auf dem Schreibgrund sammeln sich glänzende Silben, werden vielleicht zu Stichwörtern, vielleicht zu unausgesprochenen Sätzen oder bereits zu kleinen Geschichten, die ich mir dann notieren muss. Zuerst vage, ungenau und verschleiert, lassen sie mich gedanklich nicht los, bis sie sich mir bruchstückhaft offenbaren oder mich kläglich im Stich lassen. Aber irgendwo ist immer etwas am Schlummern. Mein eigenes Ich, Bilder zu lebenden und verstorbenen Personen, Ereignisse und Begebenheiten, nie festgehalten, nie nachgefragt, zwingen mich nach andern Wegen zu suchen. Ich will dem Erzähl-Weg Raum geben, erzählend mäandrieren wie ein Fluss ohne Korsett, will meiner subjektiven Sicht nicht im Wege stehen. Doch ich fühle auch Unsicherheiten, Hemmnisse und Blockaden. Schreiben scheint den gleichen Gesetzen zu unterliegen wie Malen. Kreativität und Schreibfluss kann nicht einfach aus der Tube gedrückt werden. Man muss frei sein um in das eigene Innere einzutauchen, zu reflektieren, zu fabulieren, zu gestalten, loszulassen. Malen und Schreiben als intimer Ausdruck von Gedanken und Gefühlen sind innere Prozesse die nicht leicht auf Papier zu bringen sind. Filmschaffende unterliegen den gleichen Gesetzen. Ohne sich in das Thema gedanklich, sowohl emotional wie auch rational, vertiefen zu können, wird ein Film die Oberflächlichkeit nicht durchbrechen können. 


Wir Menschen sind Indviduen, Unikate und haben alle verborgene Talente und Neigungen, Stärken und Schwächen. Sich für etwas begeistern zu können, Leidenschaft entwickeln, dabei Freude zu spüren, ist und war stets ein wichtiger Teil meiner Lebensphilosophie. Dabei liegt der Schwerpunkt im Erlebnis, in der Neugier, in der Beobachtung, im Sehen und Hören, physisch und emotional am Ort ankommen und verweilen. Das ist Freiheit!


23. November 2021 > Paul Hürlimann; Botanikperlen Schweiz 2021..

Ein weiteres Jahr geht dem Ende entgegen. Paul Hürlimann hat die Zeit genutzt, um in den hintersten Winkeln der Schweiz, von West bis Ost, von Nord bis Süd, vom Jura bis in die Alpen, mit Begeisterung, Geduld und Ausdauer seltene Pflänzchen aufzuspüren. Mit Akribie hat er recherchiert und sein botanisches Wissen weiter verfeinert und vergrössert. Seine Fotos sind aus dem Blickwinkel des Botanikers aufgenommen, die Bestimmungsmerkmale sollen möglichst sichtbar sein. Das ist nicht in jedem Fall möglich können doch einzelne Pflanzen nur mit der Lupe bestimmt werden. Auch für den versierten Botaniker eine Herausforderung! 

Ich freue mich, auch in diesem Jahr Pauls Botanikperlensammlung 2021 auf meiner Website zeigen zu dürfen. Herzlichen Dank und dreimal Daumen hoch!

> Botanikperlen Schweiz 2021

Mittlerer Lerchensporn / Corydalis intermedia / Chlus ob Boltigen 22.04.2021 Paul Hürlimann
Mittlerer Lerchensporn / Corydalis intermedia / Chlus ob Boltigen 22.04.2021 Paul Hürlimann

14. November 2021 > 16:9 oder 20:10..?

16:9? 20:10? Nein, nein, die Zahlen haben nicht einen Deut mit Sportresultaten zu tun. Es sind meine Lieblings-Fotoformate. 16 oder 20 Teile breit und 9, resp. 10 Teile hoch. Ideale Formate um z.B. Landschaftsaufnahmen den nötigen Raum zu geben.

Ich liebe Naturlandschaften, bevorzuge Rechtecke und dreibeinige Stühle.. Landschaftsfotografie in Hochformat? Eher nein. Quadratisch? Nicht mein Ding. Rechtecke vermitteln sowohl Ruhe wie auch Spannung. Es gibt sogar ein mathematisch definiertes Rechteck, das "Goldene" Rechteck". 


https://de.wikipedia.org/wiki/Goldenes_Rechteck

Dreibeinige Stühle sind für mich der sinnbildliche Anspruch und Vergleich, dass Stühle mindestens drei "Beine" haben müssen, wenn sie selbständig auf dem Boden stehen sollen. Diese drei "Beine" lassen sich auf viele Themen adaptieren.

 

Zurück zu meinen Landschaftsaufnahmen. Die Landschaftsfotografie, in der Art wie ich sie bevorzuge, erfordert ein Weitwinkelobjektiv. Die Ansprüche an die Abbildungsqualität solcher Objektive ist auch im semiprofessionellen Bereich hoch und schlägt sich im entsprechenden Gestehungspreis nieder. Ein typischer Wunsch von mir, abgelegt in der Wunschliste im Ordner "Nice to have.."

 

Und erstens kommt es anders als man denkt! Immerhin sechs Jahre hatte mein "Immer dabei" - mein iPhone - die Zeit in der linken Hosentasche ohne Hülle und Panzerglas schadlos überstanden. Selbst den risikobehafteten Zahnstocher-Service, um die Jeans-Fussel aus den Tiefen des Headset- und Dockanschlusses zu kratzen, hat ihm nichts anhaben können. Also kein Bedarf oder Grund ein neues iPhone anzuschaffen, auch wenn sich beim Akku Altersbeschwerden bemerkbar machten.

Ehrlicherweise muss ich gestehen, dass es schon einen Grund gegeben hätte, sich ein neues iPhone zuzulegen. Die Ankündigung von Apple, dass mit den neuen iPhones 12 Pro und 12 Pro Max Fotos im RAW-Format möglich sein sollen, weckte mein Interesse und meine Zurückhaltung, bezüglich Bedarf und Grund, kam ins Wanken..

RAW Aufnahmen mit dem iPhone, mit 10-12 mal grösserer Datei als ein Jpeg, mit der Möglichkeit zur direkten Weiterverarbeitung in Adobe Photoshop auf dem Compi? Weitwinkel, Normal und Tele? Wow! Das könnte für mich das Ei des Kolumbus sein!? Wäre das ein valabler Kompromiss an Stelle eines teuren Weitwinkelobjektivs? Zwei Fliegen auf einen Schlag?

 

Pech und Unachtsamkeit  nahmen mir den Entscheid letzlich ab. Was in sechs Jahren nie passiert ist, geschah dann umso überraschender, mein iPhone rutschte mir aus der Hand, fiel zu Boden und war selbst als Taschenspiegel nicht mehr zu gebrauchen. Hard core - Verschwörungsteoretiker*innen würden hinter meinem Missgeschick sicher den bösen Geist von Bill Gates vermuten, Apple als Schuldigen ausmachen und Microsoft und Apple doch noch als Giga-Konzern fusionieren lassen..

Der langen Rede kurzer Sinn. Ich bin mit meinem neuen Smartphone happy! Aus urheberrechtlichen Gründen nenne ich den Namen nicht nochmals, will ja keine Werbung machen.. :-)

19. Oktober 2021 > Als Ausnahme auch schon am Thunersee..

Bei der Bartmeise ist es offensichtlich, warum dieser exotisch anmutende Vogel seinen Namen erhalten hat. Die Bartstreifen des Männchens sind markante Akzente im Erscheinungsbild des männlichen Vogels. Die Art ist regelmässiger Brutvogel in den grossen Schilfflächen am Südufer des Neuenburgersees. Als sehr seltener Gast habe ich die Art auch schon im Gwattlischenmoos beobachten können.

Aus der Sicht eines Vogelfotografen gehört sie wohl zu den attraktivsten Models.

> Link Bartmeise

> Link Bartmeise Wikipedia

> Link Bartmeise Vogelwarte

12. Oktober 2021 > Fast wie im Bialowieza Nationalpark..

Es ist fast so als hätte man ein Stück des Bialowieza Nationalparks im Micro-Format in die Region Thun verpflanzt. Man steht davor, reibt sich verwundert die Augen.. Wow, was für ein prächtiger Mini-Urwald hat sich da im Glütschbachtäli entwickelt! Und mitten drin ein riesiger Biberbau. Schuld an dieser Entwicklung sind Biber die sich im Glütschbachtäli angesiedelt haben. Mit einem Damm aus Aesten haben sie den Bach aufgestaut und regulieren damit den Wasserstand unterhalb und oberhalb ihrer Biberburg. Die permanente Unterwassersetzung hat einen einzigartigen Lebensraum geschaffen und lässt Gedanken an den Bialowieza-Nationalpark aufkommen. Es müssten ja nicht gleich Wisente sein.. 😆

Eine spezielle Begegnung..
Eine spezielle Begegnung..
Biberbau
Biberbau
Dieser Damm wurde von den Bibern geschaffen und staut den Glütschbach
Dieser Damm wurde von den Bibern geschaffen und staut den Glütschbach

09. Oktober 2021 > Herbstzeit im alpinen Raum..

Das Ofutal auf der linken Seite des Mattmarkstausees war unser Wanderziel. In dem einsamen Tal, im Sommer nur mit Vieh bestossen, wird es im Oktober noch stiller, der nahende Winter steht fühlbar in den Startlöchern. Die Insektenwelt hat sich verkrochen, verpuppt oder hat den Fortbestand seiner Art seinen Nachkommen übertragen. Die Flora hat sich auf eine einheitliche Herbstfarbe geeinigt, verdorrte Samenstände lassen den botanisch interessierten Laien und seine Bestimmungs-App ratlos zurück.

Aber.! und das "Aber" hat zwei Seiten! Die Alpen beherbergen gebietsweise die letzten grösseren Naturlandschaften der Schweiz. Der Klimawandel macht sich aber* auch hier immer deutlicher bemerkbar, der Gletscherschwund ist dramatisch! Der Blick vom Ofutalpass auf insgesamt 7 (!) Viertausender ist aber*  einfach überwätigend!

21. September 2021 > Rotmilan zum Zweiten..

Die Gelegenheit Rotmilane am Boden auf kürzere Distanz fotografieren zu können sind nicht gerade häufig. Ihr Verhalten würde ich nicht als scheu bezeichnen, aber sie halten Distanz. Dieser hier hat mir zuliebe seine Fluchtdistanz mal grosszügig verkürzt. :-)

15. September 2021 > Heute am Wegrand..

Der globale Handel bringt es mit sich, dass viele gebietsfremde Pflanzen und Tiere über Kontinente hinweg, absichtlich oder unabsichtlich eingeführt werden. Viele dieser gebietsfremden Arten haben sich gut integriert. Wenige verdrängen aber die heimische Tier- und Pflanzenwelt, bedrohen damit unsere biologische Vielfalt und müssen deshalb zwingend bekämpft werden. 

Ein interessantes Beispiel ist die Robinie deren Qualität als Hartholz - härter als Eiche -  und hohe Resistenz gegen Fäulnis für verschiedene Anwendungen geschätzt wird, aber ausserhalb von Forstpflanzungen in Schach gehalten werden muss.

 

Wie das Stadtgrün in der Stadt Thun angeht zeigen die Bilder links. 

Der Eingriff wird dank guter Information und Aufklärung für jedermann verständlich und findet damit auch die erwünschte Akzeptanz.

 

> Link Robinie Wikipedia

> Link Pro Natura 

> Link Neophyten Schweiz

 

13. September 2021 > Heute am Aarequai..

Der Blick von der Bächimatt auf den Schlossberg mit Kirche und Schloss und vorgelagert am Quai dem Thunerhof, ist eine architektonische Choreographie die mich immer wieder begeistert. Ich fühle mich jedesmal fast ein bisschen als Tourist. Was für ein Privileg hier zu wohnen! Seit 1972, das heisst nächstes Jahr sind es 50 Jahre, bin ich in Thun wohnhaft. Ein halbes Jahrhundert, oder etwas bescheidener ausgedrückt, fünf Jahrzehnte am gleichen Ort! In verschiedenster Hinsicht ein weiser Entscheid und eine glückliche Fügung!

Barbus barbus..

Sie erfreuen die Passanten und lassen die Kinder staunen. Die immer grösser werdende Gruppe von Barben (Barbus barbus) unter der Fussgängerbrücke die vom Aarequai zur Scherzligschleuse führt, sind schon fast eine Attraktion. Im Schatten der Brücke warten sie vermutlich auf Brotresten die eigentlich für die anwesenden Wasservögel gedacht wären. Mittlerweile müssen Gänsesäger & Co die Brotkrümel mit den Fischen teilen.

> Link Barbe Wikipedia

02. September 2021 > Der Hohgant, mein Lieblingsberg..

Wieder einmal auf den Hohgant! Ein Ziel das bei mir immer oben auf der Wunschliste steht. Vor ca. einem Jahr haben wir unser SBB Generalabonnement zurückgegeben. In der Ungewissheit der Pandemieentwicklung haben wir uns in dieser Zeit vom ÖV verabschiedet. Nun hat sich die Situation mit der Impfung doch so verändert, dass wir uns entschlossen, wieder ein GA zu kaufen. 

Einen der wunderschönen Spätsommertage haben Paul Hürlimann und ich dann auch genutzt, um nach langer Zeit wieder mal zusammen auf Vogelpirsch zu gehen. Thun - Spiez - Interlaken West - Habkern  und mit dem Shuttle-Bus auf die Lombachalp. Ziel Hohgant, Wunschvogel Mornellregenpfeifer. Dieser aparte Regenpfeifer kann auf seinem jährlichen Herbstzug ins Winterquartier, nach Nordafrika und in den Nahen Osten, auch in der Schweiz an traditionellen Rastplätzen wie dem Cassonsgrat, dem Chasseral, der Silberen und anderen mehr beobachtet werden. Etwas spärlicher ist die Art auch auf dem Hohgant anzutreffen. Meine letzte Beobachtung datiert vom 11. September 2016. Ich denke, dass Mornells vermutlich regelmässig auf dem Hohgant rasten, aber da müsste man in der Zeit von Ende August bis anfangs September mehrmals vor Ort sein.

> Link Mornellregenpfeifer

> Link Mornellregenpfeifer Wikipedia

Brutareal grün und Winterquartier blau. Quelle: Wikipedia
Brutareal grün und Winterquartier blau. Quelle: Wikipedia

Zur richtigen Zeit am richtigen Platz? Bezüglich Mornellregenpfeifer an diesem Tag offenbar nicht. Das Glück das dem Tüchtigen angeblich zustehen soll, war nach den Mornellmeldungen auf Ornitho.ch zu schliessen, an andern Orten am Werk. Das konnte unserer Stimmung aber wenig antun. Der grandiose Rundblick auf die Hügel, die Weiden und Moore der nahen Umgebung bis hin zu den verschneiten Spitzen und Zacken der Alpenkette und zu den langgezogenen Jurahöhen im Norden war Entschädigung genug. Ohne Anstrengung keine Glücksgefühle!

Zwei Stunden hatten wir Zeit für unsere Mornellsuche, wollten wir doch unbedingt den 17 Uhr Shuttle auf der Lombachalp erreichen. Wir kamen nach dem sich abzeichnenden „Misserfolg“ relativ schnell zur Erkenntnis, dass die zwei Stunden gut reichen würden. 

Eine zweite Runde über die „Steinige Matte“ und dann halt wieder runter Richtung Lombachalp. 

Ein Vögelchen hatte dann aber offenbar Mitleid mit den beiden Ornis. Unerwartet tauchte wenige Meter vor uns ein Mauerläufer auf einer Felsplatte auf, stelzte ein paar Mal mit den Flügeln, flog kurz darauf von uns weg und verschwand wieder in der schattigen Unterwelt der steinigen Matte. Offenbar suchte er unter den Felsblöcken nach Spinnen und anderen Leckerbissen. Ungewöhnlich, einen Mauerläufer mal nicht wie üblich an einer Felswand anzutreffen. Nun war unsere Neugier und Hoffnung auf einen Schnappschuss geweckt. Vorsichtig über die Steinplatten balancierend suchten wir nach dem „Schmetterling“ mit den runden Flügeln. Und tatsächlich zeigte er sich immer wieder, meistens aber nicht dort wo er verschwunden war. Wenig scheu präsentierte er sich jeweils kurz im Sonnenschein, um nach ein paar wenigen Sekunden wieder in eine Spalte abzutauchen. Das Spiel dauerte an, der Vogel gestand mir aber keine einzige Aufnahme zu. 

Paul war erfolgreicher und hat mit seinen Aufnahmen doch noch den Beweis des "Glücks des Tüchtigen" erbracht. Ich freue mich, seine Schnappschüsse hier präsentieren zu dürfen!

Mauerläufer Foto Paul Hürlimann
Mauerläufer Foto Paul Hürlimann

22. August 2021 > Rotmilan zum Ersten..

Flugaufnahmen von Rotmilanen sind leichter zu haben als Bodenaufnahmen, dort halten sie Distanz. Meine bisherigen Versuche waren jedenfalls wenig erfolgreich. Mein Besuch im Gürbetal in der vergangenen Woche machte ich ohne grosse Erwartung, wollte mir nur einen Ueberblick verschaffen, wie sich die Agrarflächen aktuell präsentieren.  Im Westen nichts Neues; Natur sieht anders aus! 

17. August 2021 > In den Wellen des Atlantiks..

Nora in den Wellen des Französischen Atlantiks. Eigentlich wollte ich auf die Surferin fokussieren, um genau im  richtigen Augenblick auf den Auslöser zu drücken.. doch dann wurde ich abgelenkt. Drei Seeregenpfeifer, Vorboten des beginnenden Limikolen-Herbstzuges entlang der Atlantikküste, liessen mir keine Wahl, auch von ihnen ein Portrait zu schiessen. Herrlich, wie sie bei der Nahrungssuche mit Speed den auslaufenden Wellen entlang laufen.

08. August 2021 > Ein Vogel Namens Ziegenmelker..!?

 

In der Schweiz ist der Ziegenmelker oder Nachtschwalbe ein rarer Brutvogel. Als nachtaktiver Vogel, der sich über Tag auf sein tarnendes Federkleid verlässt, gehört er nicht zu den meistfotografierten Vögeln. In locker stehenden Kiefernwäldern der französichen Atlantikküste, von Bordeaux bis Biarritz, ist der Ziegenmelker ein verbreiteter Brutvogel. Diesem geheimnisvollen Vogel wollte ich in unseren Ferien näher kommen.

Erst in der späten Dämmerung, je nach Bewölkung eher schon Nacht, lassen sich die ersten schnurrenden Männchen vernehmen. Fast ein Ding der Unmöglichkeit, den Gesangsort in der Dunkelheit genau zu orten. Also habe ich mir vor Einsetzen der Dämmerung jeweils einen Platz gesucht, der eine offene Sicht auf die Umgebung und den Nachthimmel gewährte. Und tatsächlich hatte ich praktisch bei jedem Ansitz das Glück, einen lautlos jagenden Vogel in kurzen Sequenzen beobachten zu können. 

> Link See-Kiefer

> Link Ziegenmelker Vogelwarte

Roter Kreis: Tagesaufnahmen der Singwarten zu den nachfolgenden Nachtaufnahmen. 

Foto oben: Ziegenmelker auf abgestorbenem Baum im späten Dämmerlicht. 

Foto unten: Gleiche Aufnahme im Compi aufgehellt und Blautöne stark reduziert.

Foto oben: Ziegenmelker in der schon stark fortgeshrittenen Dämmerung. Von blossem Auge auf Distanz kaum zu entdecken. 

Foto unten: Gleiche Aufnahme auf Computer aufgehellt und Blautöne stark reduziert.

14. Juni 2021 > Bonne chance..!

Freud und Leid können drei Tage auseinander liegen. Die Aufnahme von heute vermittelt zwei Gewissheiten. Die gute Nachricht ist, die Regenpfeifer versuchens nochmals, die schlechte ist die faktische Bestätigung, dass ihr Nachwuchs im Hochwasser umgekommen ist.

Hoffentllich haben sie beim zweiten Mal mehr Glück! Bonne chance! 

06. Juni 2021 > Spärlicher Brutvogel am Thunersee..

Die hübsche Zaunammer ist als wärmeliebende Art in der Region Thun vor allem in den umliegenden Rebbergen des Thunersees anzutreffen. Ihr Gesang verrät dem aufmerksamen Beobachter ihre Anwesenheit. Ansonsten ist sie bei der Suche nach Sämereien zwischen den Rebzeilen nicht ganz einfach zu beobachten. 

5./6. und 10. Juni 2021 > Kein Happy End..

Der Aufwand von Seiten des Naturschutzes war gross, dem Flussregenpfeiferpaar im Kanderdelta zum Bruterfolg zu verhelfen. Die Markierungen der Kernzone wurden verdreifacht und als klar war, wo sich die Brutmulde mit dem Gelege befindet, wurde dieser Teil der Kiesinsel vom Ranger noch speziell mit Stangen markiert. Die aufklärenden Schutzmassnahmen galten allein dem Menschen. Bitte nicht betreten! Bitte nicht weiter gehen! Die Schutzmassnahmen scheinen sich bewährt zu haben. Das Regenwetter hat die Massnahmen unterstützt, die Freizeitmenschen blieben aus.

Nicht nur der Mensch ist eine Gefahr für die Regenpfeifer. Prädatoren wie Fuchs, Marder, Rabenkrähe und Mittelmeermöwe können den Bruterfolg ebenfalls verhindern. Die Altvögel sind nach dem Schlüpfen der Jungen dauernd mit Aufpassen und Warnen beschäftigt. Droht Gefahr warnen die Altvögel heftig und rennen von den Jungen weg. Diese laufen in die entgegengesetzte Richtung, von den Altvögeln weg und drücken sich dann zwischen Kieselsteine und werden selber zum Stein. Tarnung ist ihre einzige Chance dem Fressfeind nicht zum Opfer zu fallen.

Die dritte Gefahrenquelle im Kanderdelta sind Hochwasser, speziell nach den Juni-Gewitter. Nach der ersten Gewitternacht vor dem 5. Juni wollte ich am andern Tag nachschauen, wie sich die Situation im Kanderdelta präsentiert. Der erste Blick von der Brücke bis zur Mündung in den See verhiess nichts Gutes, im rechten Flussarm war keine einzige Kiesinsel mehr vorhanden, der linke Arm war von der Brücke nicht einsehbar. Es bestand also noch Hoffnung. Und tatsächlich, die Regenpfeifer hatten das Gewitter überlebt, die Jungen waren offenbar schon vor der Gewitternacht geschlüpft. Allerdings war die ganze Familie, die zwei Altvögel und drei Pulli auf den kleineflächigen Restinselchen ziemlich isoliert. Die Kleinen schlüpften zwischendurch immer wieder unter das wärmende Bauchgefieder eines Altvogels. Etwas später versuchten die Altvögel ihren Nachwuchs auf ein anderes Inselchen mit Bewuchs zu locken. Nach mehreren Versuchen schafften es alle drei, zum Teil schwimmend, die "Rettungsinsel" zu erreichen. Ob das gut kommt? Ich wollte es wissen und besuchte das Delta auch am andern Tag. Schon von weitem meinte ich Regenpfeifer-Warnrufe zu hören. Ich hatte mich nicht getäuscht, die ganze Familie war noch da und die umspülte Kiesfläche hatte sich wieder etwas vergrössert.

Vergangene Nacht hat es wieder stark geregnet. Hatten die Kleinen den Dauerregen überlebt? Ich hatte Bedenken, ich musste wieder hin! Der Blick von der Brücke zeigte keine Veränderung der Wassermenge, im Gegenteil. Und so war es dann auch. Die Kander führte noch mehr Wasser als am 5. und 6. Juni, die Inselchen waren praktisch verschwunden. Keine Jungvögel, nur noch ein einsamer Altvogel war anwesend. Die Tragödie hatte ihren Lauf genommen. Die Geschichte berührt und schmerzt.

 

Altvogel mit einem Pulli und zwei weiteren im Bauchgefieder
Altvogel mit einem Pulli und zwei weiteren im Bauchgefieder
Watend und zum Teil schwimmend folgen die Kleinen den Altvögeln auf eine kleine Kiesinsel mit Bewuchs...
Watend und zum Teil schwimmend folgen die Kleinen den Altvögeln auf eine kleine Kiesinsel mit Bewuchs...
Die Insel bot mit der spärlichen Vegetation den Kleinen mehr Deckung..
Die Insel bot mit der spärlichen Vegetation den Kleinen mehr Deckung..