07. - 26. April 2023 > Incredibily unique! Der Nord-Westen Namibias..

Das Klapptischchen auf dem Hügel am "Ende der Welt.."

Das Klapptischchen

Ein Klapptischchen auf einem Hügel, mitten im "Niemandsland" des Nord-Westens von Namibia, umgeben von schier unendlicher Weite, strukturiert durch sanft geformte Hügelzüge, die sich farblich von den umgebenden helleren Flächen abheben, bis sie sich in der Ferne im Dunst des Atlantiks auflösen. Eine grossartige Farbpalette deren Nuancen kaum mit Worten zu beschreiben sind. Die Aufnahme fasziniert mich. Warum?

Da steht ein einfaches Klapptischchen auf einem Hügel, edel abgedeckt mit einem in Naturfarben gewobenen Tischtuch, darauf zwei grünfarbene Thermosflaschen, ergänzt mit einem klassisch formschönen Krug. Beigestellt weitere Kleingefässe die das Bild abrunden. Unschwer zu erkennen, was das Ganze soll, aber ist da nicht mehr?

Das Tischchen und sein Gedeck, liebevoll von Menschenhand auf dem Hügel bereitgestellt, lässt sich sinnbildlich als Gegenüberstellung menschlichen Schaffens zur umgebenden Naturlandschaft sehen. Die Aufnahme von Susanne konserviert die Emotionen und die Demut, die ein solch grossartiger Rundblick in uns Betrachtenden auszulösen vermochte. Die Fahrspuren unseres Fahrzeugs verlieren sich in der Landschaft von wo wir gekommen sind.

Auf solche Erlebnisse hatte ich bei der Reiseplanung gehofft, die Bilder vor Ort haben die Vorstellung weit übertroffen! 

6. April 2023 > Ein Feuerwerk in Rosa..

Zürich - Kapstadt - Walvis Bay, ein Nachtflug den man stoisch über sich ergehen lassen muss. Was früher noch fliegerisches Erlebnis bedeutete, ist heute eher ein  unumgänglicher Teil einer Reise in ein weit entferntes Land wie Namibia es nun mal ist. 

Nach einem langen Flug sind wir etwas steifgliedrig, aber guter Dinge in Walvis Bay gelandet und haben möglichst schnell die üblichen Formalitäten und Kontrollen hinter uns gebracht. Mit den Spalier stehenden VertreterInnen der verschiedenen Tour Operators, die uns ihre Pappkarton-Gästenamen-Schilder suchend entgegenstrecken haben wir nichts zu tun, unser Ziel ist der Parkplatz vor dem Ausgang, wo uns Albert empfangen wird.  

Das Wiedersehen fühlt sich an, als wäre es Gestern gewesen, dabei waren seit der letzten Reise mit ihm dreieinhalb Jahre vergangen. Ein guter Moment! Ein gutes Gefühl! Für mich irgenwie fast ein Heimkommen.

Lets go!

Koffer verstauen, einsteigen und los gehts Richtung Swakopmund. Albert wäre nicht Albert, ein kurzer Abstecher in die Dünenlagunen von "Birders Paradise" musste sein. Zu unserer Begrüssung und Einstimmung hatte er ein Heer von Zwergflamingos aufgeboten. Ein Feuerwerk in Rosa, vor allem fliegend vor den imposanten Sanddünen, was für ein Anblick!

Zwergflamingos
Zwergflamingos

"The Jetty Bridge"

Die erste Nacht wollten wir in Swakopmund bleiben. Sich ausruhen vom langen Flug war das vorrangige Bedürfnis, um dann am Abend frisch und erholt im Restaurant "The Jetty" Essen zu gehen. "The Jetty", ein Restaurant am Ende der Jetty Bridge, einer alten Landungsbrücke, mit herrlichem Ausblick auf den Atlantik, ist seiner Lage wegen ein beliebtes und gut besuchtes Lokal in Swakopmund. Lisa hatte für uns frühzeitig einen Tisch an bester Fensterlage reserviert. Wir haben fein gegessen und genossen einen ersten wunderbaren Abend zusammen. Ich hätte mir keinen besseren Start wünschen können! 

 

Aber da war doch noch was Ornithologisches..!? Beim Eintreten ins Restaurant hatte ich den Eindruck, dass sich ausserhalb der raumhohen Glasscheiben etwas bewegen würde. Draussen war es schon fast dunkel, also aktivierte ich die Taschenlampe meines iPhones. Und siehe da, auf der Holzkonstruktion des Piers hatten sich Kronenscharben zur Nachtruhe eingefunden. Dicht an dicht sassen sie auf dem Balken vor den Glasscheiben. Die werde ich am Ende der Reise nochmals aufsuchen! Gedacht und dann auch getan!

Jetty Bridge Swakopmund
Jetty Bridge Swakopmund

07. April 2023 > Swakopmund - Mowani Mountain Camp..

Voller Freude starten wir  in den ersten Reisetag. Koffer einladen - Geldwechsel - Reiseproviant einkaufen und ab gehts Richtung Norden. Tagesziel war die Mowani Mountain Camp Lodge. Weiter nicht überraschend, hat jedes von uns intuitiv wiederum den Sitz in Beschlag genommen, der schon im 2019 seinen guten Dienst in Form eines entspannten Sitzens bewiesen hat. Eine Neuerung gabs, Albert hatte sich ein Headset angeschafft, so dass seine spannenden Ausführungen, seine Bemerkungen, seine Jokes samt begleitendem Lachen auch hinten klar und deutlich zu verstehen waren. Definitv eine gute Investition! 

Wie im 2019 waren Albert und ich die einzigen Birder der 5-er Gemeinschaft. Die Reise war zwar nicht als Birderreise geplant, aber Susanne, Marianne und Moritz wussten, auf was sie sich einlassen mussten. Sie konnten sich aber durchaus auch für die Gefiederten begeistern, wenn diese eine gewisse Grösse aufweisen und kein beiges Tarnkleid auf beigefarbenem Sand tragen. 

 

Albert hatte auf seiner Wunschliste ein paar Vogelarten gelistet, die er mir unbedingt zeigen wollte. Dazu gehörten insbesondere Endemiten und Halbendemiten. Ohne Stimmimitation mittels Tonträger ist die Suche nach gewissen Arten eher schwierig bis aussichtslos, resp. zu zeitintensiv. Verschiedene Stopps an Orten mit vielversprechendem Habitat waren deshalb unumgänglich.

Der Herero Chat

Damit ist nicht ein WhatsApp-Chat mit einem Herero gemeint..:-) sondern ein Vogel, dem Namibschnäpper, oder in Englisch, Herero Chat Namibornis herero, ein nahezu endemischer Vogel Namibias. Bei Twitchern (Artensammler..) steht das Vögelchen meistens ganz oben auf der Wunschliste. Nicht aus diesem Grund, aber doch nicht abgeneigt den Vogel in seinem Lebensraum aufzuspüren, unterbrachen wir mehrmals die Fahrt um uns etwas die Beine zu vertreten, einzelne Pflanzen zu bestaunen und halt doch auch des seltenen Vögelchens Willen. Geduld bringe Rosen..? Manchmal auch Herero Chats..:-)

Herero Chat / Namibschnäpper / Namibornis herero
Herero Chat / Namibschnäpper / Namibornis herero

Das Namaqua Chamäleon

Das Namaqua Chamäleon oder Wüstenchamäleon gehört zu den wenigen Chamäleonarten die ihren Lebensraum nicht in bewaldeten Gebieten haben. Das Leben in der Wüste erfordert von dieser Spezie besondere Anpassungen. Dabei ist nicht nur die Möglichkeit gemeint, die Hautfarbe der Farbe der Umgebung anpassen zu können. 

Die Folgen des Klimawandels bleiben auch in Namibia nicht ohne negative Auswirkungen. Ob der Mensch wirklich den Willen und die Einsicht aufbringt, sich den Gegebenheiten zu stellen ist fraglich. Die reichen Länder werden Dämme gegen den steigenden Meeresspiegel und Stacheldrahtzäune gegen den Migrantenstrom bauen. Sie werden aber weiterhin kommen, die Menschen aus all den Ländern in denen die Kühe, Ziegen, Schafe verenden, wo kaum gesät schon die Saat verdorrt, wo die Menschen Hunger leiden, die Not zum Alltag gehört, die Migration zur letzten Hoffnung wird. 

 

Ob sich das Namaqua Chamäleon anpassen kann liegt nicht in seiner "Hand". Auf der Hand liegt aber, dass der Mensch die Verantwortung dafür trägt, dass es auch in hundert Jahren das Namaqua Chamäleon noch in freier Wildbahn zu bestaunen gibt! 

 

Wir fahren über eine staubige Sandpiste, es herrscht nur wenig Verkehr, ab und zu kreuzt uns ein Fahrzeug, gegenseitig tauchen wir für eine Atemlänge in die Staubwolke des andern ein. Wohl denen, dessen Autofenster dicht sind.

"Da! Das müssen wir anschauen!" Albert tritt heftig auf die Bremse, schaut sich um, ob er den Wagen gefahrlos wenden kann und fährt zurück zur Stelle, wo er offenbar etwas gesehen hat. Die Ueberraschung war perfekt. Ein Namaqua Chamäleon verharrte auf der Sandpiste, auch ohne Intensivverkehr ein gefährlicher Rastplatz. Natürlich war das Tierchen ein Photosujet erster Güte! Albert trug es mal zu seiner und unserer Sicherheit von der Strasse weg in gefahrloseres Gelände. Aufnahmen auf der Hand, von vorne, von der Seite, von hinten, das gleiche beim Shooting auf dem Boden. Ich stelle fest, ich bin nicht mehr der Jüngste!

Albert ist ein Multitasking Talent, kann mehrere Sachen gleichzeitig machen, zum Beispiel Autofahren, Wissen vermitteln, Telefonieren und ein Namaqua Chamäleon vor dem Strassentod retten. 

Link Namaqua Chamäleon Wikipedia (engl.)

Wüstenchamäleon oder Namaqua Chamäleon > Chamaelo namaquensis
Wüstenchamäleon oder Namaqua Chamäleon > Chamaelo namaquensis

Die Mowani Mountain Camp Lodge

Die Mowani Lodge ist eine wunderschön gelegene Unterkunft. Auf einem Hügel, zwischen kleineren und grösseren Granitkugeln eingebettet, finden sich mehrere stimmungsvoll ausgestattete Bungalows. Die ganze Anlage ein Bijou!

Die Lodge stand auf Susannes Wunschliste weit oben, eine Oase zum Ausspannen. Ausspannen war aber keine Option zum Reisestart, also begnügten wir uns mit nur einer Nacht.

08. April 2023 > Mowani Mountain Camp - Palmwag Lodge..

Stimmungsvoller Sonnenuntergang am Vorabend, funkelnder Sternenhimmel in der Nacht, erwachendes Licht auf den Granithügeln der Umgebung am frühen Morgen, einfach traumhaft!

Die relativ kurze Distanz zwischen der Mowani Lodge und der Palmwag Lodge, unserem nächsten Etappenziel, verschaffte uns genügend Zeit, um intensiv nach den Wüstenelefanten im Huab-Trockenflusstal zu suchen. Wir hofften, mit etwas Glück die Gesuchten aufspüren zu können.

Der ca. 300 km lange Huab entspringt im Gebiet von Kamanjab, dem hügeligen Vorland südlich der Etosha Salzpfanne und endet, resp. versiegt, wie alle Flusstäler des Damara- und Kaokolandes, an der Atlantikküste des Skeleton-Nationalparkes. Die Menge des jährlichen Niederschlags variert zwischen Einzugsgebiet und Mündung sehr stark, das heisst ein wesentlicher Teil des Flusslaufes ist während Monaten ohne sichtbare Wasserführung. Der stetig steigende Wasserverbrauch der landwirtschaftlichen Nutzung im östlichen Einzugsgebiet hat zusätzlich einen negativen Einfluss auf die Höhe des Grundwasserspiegels im Unterlauf und führt immer mehr zur Austrocknung von Quellen. Dies gefährdet zunehmend die in den Flusstälern lebenden Wüstenelefanten.

 

Bei den Wüstenelefanten handelt es sich um die gleiche Elefantenart wie die des Etosha-Nationalparks. Vielleicht eine etwas hellere, da staubige Erscheinung, haben sie doch kaum Gelegenheit mal ein Vollbad nehmen zu können, müssen "froh" sein, überhaupt eine Wasserstelle zu finden. Die Suche nach Nahrung und Wasser ist deshalb - fast wortwörtlich - das tägliche Brot dieser Tiere. 

Die Vegetation der Flusstäler bildet die Nahrungsgrundlage für den darin lebenden Wildbestand. Der bis 30m Höhe erreichende Anabaum Faidherbia albida  nimmt dabei eine zentrale Rolle ein. Die gekrümmten Hülsenfrüchte des Anabaumes sind für verschiedene Tierarten ein wichtiger Teil ihrer Nahrung, insbesondere für die Elefanten. 

Auf den Spuren der Wüstenelefanten

„Wenn wir Wüstenelefanten finden wollen, müssen wir ihre Spuren finden!“ Alberts Hinweis war einleuchtend. Also suchten unsere Augen nach Elefanten-Dung und nach Fussspuren. Dung fand sich mehrfach, aber alle Kotballen waren alt und mit alt meinte Albert älter als ein paar Stunden. Der erfahrene Scout kann anhand der Feuchtigkeit des Kotballens beurteilen, wieviel Zeit ungefähr vergangen ist, seit ein Elefant hier seine Visitenkarte hinterlassen hat. Begleitende Fusspuren in staubigem Sand geben zudem Aufschluss, in welche Richtung der oder die Elefanten gelaufen sind. Und genau danach suchten wir! Wie lange wir wohl suchen müssen und ob wir auch fündig werden? Spannend!

Auf einer das Flussbett querenden Piste fanden wir dann das Gesuchte. Frische, oder mindestens unversehrte Fusspuren mehrerer Elefanten liessen darauf schliessen, dass vor kurzem hier eine Herde die Piste passiert hat. "Die sind in diese Richtung gelaufen.! Das sieht gut aus, die wollen wir sehen!" Albert zeigte die Richtung an, startete den Motor und rein gings ins Flussbett, wenn immer möglich den Spuren nach. Mal wechseln die Fussabdrücke nach links, mal finden wir sie am rechten Rand des Flussbettes wieder, nicht ganz einfach diese Elefanten-Schnitzeljagd! Albert steuert den 4 x 4  über Sand- und Kiesbänke, mal fährt er steil eine Böschung runter, um kurz darauf mit eingeschaltetem Differential eine weitere zu überqueren, dabei bleibt er immer auf Elefantenspuren fokussiert. "Die werden wir finden, die können nicht weit sein!" Albert war zuversichtlich, dass sich seine Prognose bewahrheiten wird. "Haltet die Augen offen, auch Elefanten können übersehen werden!"

Die Fahrt dauerte länger als gedacht, die Anspannung aller war unvermindert hoch. Wie weit wir wohl schon in dieses Flusstal hineingefahren waren? Fünf Kilometer, zehn Kilometer? Ich hatte keine Ahnung, Distanz- und Zeitgefühl geht auf einer solch spannenden Pirsch verloren.

Die Gewissheit, dass es sich bei den Elefanten des Damara- und Kakoland noch um richtig wild lebende Elefanten handelt, macht eine Begegnung mit diesen Tieren zum ganz speziellen Erlebnis!

 

Alberts freudiges "Wow!" war unüberhörbar. "Da vorne sind sie! Unglaublich! Eine so grosse Herde habe ich hier noch nie gesehen! Geil!" Geil diente Albert als Steigerung zu Wunderbar..:-) Alle waren ob dem Anblick begeistert. Die Grösse der Herde war nicht auf Anhieb zu beziffern. Wir einigten uns letztlich auf 16 Tiere in verschiedenen Altersstufen. Die ganze Gruppe war auffalllend zielstrebig und schnell unterwegs. "Die suchen Wasser!" meinte Albert. "Die wissen, irgendwo im Flusstal hat es Wasser! Das kann allerdings noch etliche Kilometer von unserem Standort entfernt sein." Wir begeleiteten die Herde noch eine Weile in nicht störender Distanz, um die Tiere aus verschiedenen Blickwinkeln fotografieren zu können. Albert manöverierte das Fahrzeug jeweils in eine möglichst ideale Foto- und Rückzugsposition. Die Elefantenparade zog mal rechts, mal links an uns vorbei, mal weiter entfernt, dann wieder direkt auf uns zusteuernd. Eine Begegnung mit Augenkontakt zwischen Mensch und wildlebenden Elefanten. Was für berührende Momente! Albert sei Dank!

Die Tierwelt der Trockenflusstäler erreicht nicht die Artenfülle eines Etosha-Nationalparks. Dafür sind die Beobachtungsmöglichkeiten einzigartig und deshalb eigentlich unvergleichlich. Giraffen und Springböcke als häufige Arten sind immer wieder ein toller Anblick! 

9. April 2023 > Palmwag Lodge; Rhino Tracking..

Die Nashörner im südlichen Afrika sind, so auch in Namibia, durch die nach wie vor grassierende Wilderei stark bedroht. Die Nachfrage aus Asien nach Nashornpulfer ist ungebrochen gross, denn der Glaube, dass das Pulfer u.a. potenzsteigernd wirke, ist nicht auszurotten.

Die bisherigen Bemühungen, die Nashörner mit besserer Ueberwachung durch bewaffnete Ranger zu schützen, haben leider nicht den erhofften Erfolg gebracht. Das Nashornpulfer hat den monetären Wert von Gold, was zur Folge hat, dass sich die Nashornkiller jedes Mittel, wie top ausgerüstete Fahrzeuge, Hubschrauber, inkl. Schmiergeldzahlungen usw. leisten können. Zudem werden nur die kleinen Fische erwischt und das Nashorn ist schon tot oder schwer verletzt wenn die Ranger darauf stossen. Eine nicht enden wollende Tragödie!

Einen mögliche Lösung im Kampf gegen die Wilderei, die Albert Voigts in seinem Blog beschreibt nimmt einen ganz andern Lösungsansatz auf. Ein interessanter und lesenswerter Blog Eintrag! Link zu Blog Eintrag

 

Am Vorabend unseres frühmorgendlichen Rhino Trackings erhielten wir vom lokalen Chef der Organisation Rhino Conservation Trust eine Einführung bezüglich ihrer Aufgaben und Ziele, wie sie organisiert ist und wie das Tracking ablaufen wird. Die in einem grossräumigen Schutzgebiet lebenden Spitzmaulnashörner werden von Rangers überwacht und über jede Beobachtungstour wird Buch geführt. Die Ranger leben zu zweit in einer eingezäunten Behausung im Gebiet. Leider steht ihnen kein Fahrzeug zur Verfügung, sie müssen deshalb die langen Kontrolldistanzen zu Fuss bewältigen. Ausnahmen sind die Mitfahrgelegenheiten bei Rhino Trackings wie dem unsrigen.

Diese Rhino Trackings sind eine Möglichkeit interessierten Besucher*innen die Probleme und Schutzbemühungen näher zu bringen, um damit auch Einnahmen zu generieren.

 

Am andern Morgen fahren wir noch bei Dunkelheit los. Nach kurzer Fahrt biegt der Fahrer in eine unbefestigte Naturstrasse ab. Von nun an wirds holprig und für den Fahrer anspruchsvoll. Bei Sonnenaufgang erreichen wir eine weite Hügellandschaft. Die Ranger sind nun voll auf die Sichtung von Rhinos fixiert. Die Tiere sind nicht besendert, können also nicht mit einem Peilsender geortet werden.

Die ersten zwei Täler bringen keine Nashornsichtung. Im dritten Tal halten wir an einer Wasserstelle und dürfen aussteigen. Die Ranger wollen das Gebiet nach Spuren absuchen. Ich verfolge die beiden mit dem Fernglas. Sie gehen offensichtlich sehr vorsichtig vor und deuten eine halbe Stunde später mit Handzeichen  an, dass sie fündig geworden sind. Während wir weiterhin warten, laufen die zwei Ranger auf der rechten Seite des Tals den Hang hinauf, um gegen die aktuell herrschende Windrichtung das darunter liegende Gebiet abzusuchen. Rhinos sind eher nachtaktiv, schlafen vorwiegend am Tag.

Die Ranger zeigen mit erneuten Zeichen an, dass ihre Suche erfolgreich war. Im Schatten eines Damara-Milchstrauches Euphorbia damarana haben sie ein schlafendes Rhino entdeckt.

Nun können auch wir weiter vorgehen. Auf Umwegen erreichen wir mit möglichst lautlosen Schritten über die mühsam zu begehende Steinwüste den Beobachtungsort der Ranger. In einer Distanz von vielleicht 150 m war durch das Fernglas ein halbvedecktes, massig graues Etwas zu erkennen. Das musste das Rhino sein. Unsere Vermutung wurde umgehend bestätigt. Genügend Distanz zu den Tieren zu bewahren ist eine strikte Vorgabe des Trackings. Man will die Tiere nicht an den Menschen gewöhnen und ihre natürliche Fluchtdistanz nicht unterschreiten. Wir suchen uns ein Sitzplätzchen auf einem grösseren Stein, meine Kamera ist bereit.

Nashörner sind bekannt für ihr feines Gehör. Die Ranger wissen das und machen sich mit leiser Stimme bemerkbar. Die Reaktion folgt umgehend, die unförmige Masse verwandelt sich in ein ausgewachsenes Spitzmaulnashorn.

So gut das Gehör ist, so schlecht ist das Sehvermögen. Das Rhino schaut in unsere Richtung, entfernt sich mit ein paar schnellen Schritten vom Ruheplatz weg, bleibt stehen, äugt wieder zu uns hinauf, kommt nochmals zurück, bevor es schliesslich in überraschend schnellem Tempo über die Steinblock-Wüste davonrennt. Mit dem Fernglas verfolge ich gespannt, wohin sich das Tier verziehen wird. Unterbrochen von kurzen Stopps läuft das Rhino mit weiterhin beachtlichem Tempo Richtung Talsenke, biegt nach links ab, bis es für uns nicht mehr sichtbar ist. Ein feines Erlebnis für uns alle, begleitet vom Wermutstropfen, dass Rhinos kaum mehr unbedroht in freier Wildbahn leben können.

10. April > Palmwag Lodge - Okahirongo Elephants Lodge..

Die Fahrt führt vorerst über die Schotterpiste nach Seisfontain, der letzten grösseren Siedlung auf unserem Weg zur Okahirongo Elephants Lodge. Unterwegs halten wir verschiedentlich an, mal sind es die eigenartig geformten Flaschenbäume Pachypodium Lealii  die wir uns näher anschauen und fotografieren wollen, mal sind es kreisförmig wachsende dunkle Grasbüschel die unser Interesse wecken. Albert weiss so viel Interessantes zu erzählen. 

11. April > The Okahirongo Elephants Lodge..

Da müsst ihr unbedingt 3 Nächte buchen, insistierte Albert mit Nachdruck bei der gemeinsamen Reiseplanung. Er hatte vor lauter eigener Begeisterung unser Budget ausser Acht gelassen. Meine Planung basierte aber nicht zuletzt auf dem Wunsch und der Vorstellung, mit Albert Gebiete zu besuchen, die es nicht jedes Jahr auf die Wunschliste seiner Gäste schaffen. Unser Entscheid, den Nord-Westen Namibias als Reiseziel zu wählen, hatte aber auch Folgen bezüglich der Unterkunftwahl. Wer nicht anstrengend lange An- und Rückfahrten im offenen Safarifahrzeug in Kauf nehmen will, hat als ideal gelegene Alternative nur zwei Lodges zur Wahl. Etwas erhöht, gegenüberliegend der kleinen Streusiedlung Purros, liegt die Okahirongo Elephants Lodge. Hier wohnt man mitten im Herzen des Kaokalandes. Unverzichtbar, einmalig und unvergesslich! 

Die Lodge

Die Architektur der Lodge nimmt die Kargheit der umgebenden Wüsten- und Felslandschaft auf. Pueblos ähnlich gehaltene Würfel, zum Flachdach hin leicht trapezförmig verjüngt, richten die Bungalows ihre Hauptseite gegen die darunterliegende Ebene aus. Zusammen mit dem Kubus mit eiförmigem Kuppeldach, gehalten im selben Weiss und Grau bilden die Gebäude dezent die Naturfarben der Umgebung ab und verschmelzen mit dieser bei Tag oder Nacht. Ich habe mir die Anlage aus architektonischem Interesse genau angeschaut. Wo ich auch gestanden bin, im Morgenlicht, im untergehenden Sonnenlicht, kein Gebäudeteil der etwas verbergen musste. Architektonische Abstraktion der feinen Art!

Emma

Ich bin mir sicher, dass meine Begeisterung für die Architektur der Okahirongo Elephants Lodge nicht alle Menschen teilen würden. Für mich durchaus nachvollziehbar, weiter aber ohne Bedeutung, es gibt wichtigere Ansprüche an eine Unterkunft. Die schönste Lodge ist ohne sympathische Gästebetreuung nur leere Hülle. Die Okahirongo Lodge erfüllt auch diesen Anspruch perfekt! Alles einheimische MitarbeiterInnen, kein weisser Manager vor Ort, die machen das wirklich gut! Stellvertretend habe ich das Bild von Emma, einer jungen einheimischen Namibianerin, sympathisch, selbstbewusst, humorvoll und kompetent hochgeladen. Thanks to the hole Staff!

Am Ende der Welt..

Ein Tagesausflug ans Ende der Welt? Der eigene Verstand ortet das Ende der Welt jeweils an einem möglichst weit entfernten Ort, z.B. auf der gegenübeliegenden Seite der Erdkugel. Verstand und Gefühl können aber durchaus verschiedene Gedankengänge auslösen. Nach mehr als hundert Kilometer Fahrt durch eine einsame Wüsten- und Hügellandschaft, ohne auf eine zivilisatorische Einrichtung zu treffen, zwei Verkehrssignaltafeln mit dem Hinweis "Achtung Kurve" waren die skurrilen Ausnahmen, kann ein Gefühl aufkommen, man sei sehr sehr weit der Zivilisation entflohen und damit schon fast am Ende der Welt angekommen. 

Blick in den Skeleton Coast National Park
Blick in den Skeleton Coast National Park

Rückfahrt durch das Flussbett des Hoarusib..

Die Rüppelltrappe

Die Wüste lebt! In den kühlen Morgenstunden ist die Chance am grössten, in solch ariden Lebensräumen nach Vögeln Ausschau zu halten. Lebensraum der halbendemischen Namiblerche Ammomanopsis grayi sind spärlich bewachsene Steinwüsten entlang der Namibischen Westküste. Sie fehlt in reinen Sandwüsten. Im gleichen Lebensraum ist eine weitere halbendemische Vogelart, die Rüppeltrappe Eupoditis rueppelli, benannt nach dem Deutschen Forscher Wilhelm Rüppell anzutreffen. Für uns zwei tolle Beobachtungen.

Rüppeltrappe
Rüppeltrappe

12. April > Okahirongo - Morning and Sundowner Game Drive..

Der Godamodommi gehört zum Einzugsgebiet des Flusses Hoarusib und zeigt sich als breite Schwemmebene. Die morgendliche Pirschfahrt brachte eine Fülle an Beobachtungen. Elefanten da und Giraffen dort oder umgekehrt. Dazwischen liegende Stopps galten primär der Vogelwelt. Grossartig!

Birds

Auch wenn uns Elefanten und Giraffen dauernd zur Kamera greifen lassen, liessen Albert und ich die Vogelwelt nicht unbeachtet. Unseren Ohren entging kaum ein Vogellaut, allerdings mit dem feinen Unterschied, dass Albert immer wusste, wem die Töne zuzuordnen sind. 

Sundowner Game Drive

Unser Driver Day steuerte seinen 4x4 in das zwischen kahler Berglandschaft eingebette Flussbett des Hoarusib. Zu unserer Ueberraschung trafen wir nach der Einfahrt in die Schlucht auf fliessendes Wasser. Day fuhr mal auf der linken Seite, wechselte dann auf die andere Seite, den schwach vorhandenen Radspuren folgend. Die auf der rechten Flusseite aufsteigenden Felswände lagen bereits im Schatten, während die linke Seite von warmem Abendlicht beleuchtet wurde. Das fliessende Wasser suchte sich seinen mäandrierenden Weg durch die Schlucht. Entlang des Wassers hatten sich Schlickflächen abgelagert und ein grünes Band mit unterschiedlicher Vegetation säumte den weiteren Uferbereich. Wasser bedeutet Leben!

Bärenpaviane

Namibia behebergt 2 Affenarten; den Bärenpavian und die Grüne Meerkatze. Eine grössere Gruppe von Bärenpavianen empfing uns am Eingang der Schlucht, liess sich von uns aber nicht gross beeindrucken und verzog sich dann nach dem Fotoshooting allmählich in die vom Abendlicht besonnten Felspartien.

Bärenpavian / Papio ursinus
Bärenpavian / Papio ursinus

Birds

Wo es Wasser hat, sind auch Wasservögel anzutreffen. Mehrere Dreibandregenpfeifer, 2-3 Paare Waffenkiebitze und ein paar Nilgänse bereicherten die Szenerie.

Day unser Fahrer und örtlicher Guide

Irgendwann, irgendwo stiessen wir auf eine Ziegenherde. Unser Driver betätigte plötzlich und überraschend mehrmals die Autohupe. Was soll denn das werden, fragte ich mich im ersten Moment. Day, so hiess unser Driver stieg letztlich aus, um die Ziegenherde mit Rufen und gestikulierenden Händen zu einer etwas schnelleren Gangart zu bewegen.

Albert hatte dann die Erklärung für diese sonderbar anmutende Einlage. Day war offenbar der Besitzer der Ziegenherde und hatte Angst, dass die Tiere zu lange in der Schlucht bleiben und damit durch Hyänen gefährdet würden. Okay, das war nachvollziehbar.


Day hat in der Okahirongo Elephants Lodge eine Anstellung als Game Driver, wohnt in irgend einem der sehr bescheidenen Häuschen, meistens aus einer Kombination aus Stein, Blech, Holz oder sonstigen Materialien, die wir in Purros gesehen hatten. Day hielt neben seinem Job als Driver noch Ziegen.

Albert lobte ihn als guten Guide und das will etwas bedeuten! Sein Einkommen als Game-Driver und der Erlös aus der Ziegenzucht ermöglichte es der Familie, den Sohn auf eine bessere Schule in Windhoek zu schicken. Entwicklung durch Arbeit und Bildung!

Emma und Day, zwei Beispiele, was die Schaffung von Arbeitsplätzen am Beispiel der Okahirongo Lodge für Auswirkungen haben kann. 

Day, Game Driver der Okahirongo Elephants Lodge
Day, Game Driver der Okahirongo Elephants Lodge

13. April 2023 > Okahirongo Elephant Lodge - Hoanib Valley Camp..

Mit einem weinenden Auge verlassen wir die Okahirongo Lodge und damit das Kerngebiet des Kaokolandes. Unser Tagesziel ist das Hoanib Valley Camp, ein weiteres Highlight unserer Reise, nun aber im Herzen des Damaralandes. Albert beschliesst, nicht auf der normalen Verbindungsstrasse über Seisfontein, sondern aussenrum, d.h. durch das wilde Küstengebirge das Hoanib Valley anzusteuern. Eine Fahrt, die vom Fahrer Wisssen, Erfahrung und Orientierungssinn erfordert. Eine Fahrt die für uns Mitreisenden eine weitere Exklusivität darstellte. Das zeigt den entscheidenden Unterschied zwischen LeafLOVESafari und den meisten andern Anbieter, ungeachtet ob gross oder klein.

Ich bin fest davon überzeugt, dass die Reiseangebote von LeafLOVESafari (Beratung, Planung, Durchführung und Wissensvermittlung) den höchsten buchbaren Level bezüglich Preis und Leistung in Namibia erfüllen.

Albert
Albert

Namaflughuhn

Flughühner gehören zu meinen Lieblingsvogelarten. Das halbendemische Namaqua Flughuhn Pterocles namaqua bietet aufmerksamen Gästen bei Lodges mit grösseren Wasserlöchern zweimal pro Tag ein faszinierendes Schauspiel. Kleinere und grössere Gruppen fliegen morgens und abends solche Wasserstellen an. Dabei gehen sie vorsichtig vor,  sammeln sich zuerst etwas weiter entfernt am Boden in der Deckung der Vegetation, um dann die letzten Meter zur Wasserstelle zu Fuss zu bewältigen.  

Altvögel haben die besondere Fähigkeit, in ihrem Gefieder Wassertropfen zu speichern um damit zurück zu ihren noch flugunfähigen Jungen zu fliegen (!) und diese mit Wasser zu versorgen.

Flughühner sieht man ausserhalb der Wasserstellen oft nur durch Zufall wenn Tiere auffliegen, oder wenn sie ohne Deckung, wie bei nachfolgenden Bildern ersichtlich, auf Nahrungssuche sind.

14. April 2023 > Hoanib Valley Camp..

Die Lodge

Mit Gesang wurden wir empfangen, mit Gesang wurden wir verabschiedet. Kein Dinner am Abend ohne Gesangseinlagen durch den Staff dieser einsamen Lodge. Auch hier treffen wir auf selbstbewusste, fröhliche und sympathische MitarbeiterInnen. Von der quirligen Chefin bis zum schlaksigen "Mann für Alles" machen alle einen tollen Job! Nach der Okahirongo Elephants Lodge wiederum eine sehr sympatische Wohlfühl-Unterkunft.

Morning Walk and Game Drives

Zwischendurch die Beine vertreten, das waren jeweils willkommene Gelegenheiten. So starten wir bei grandioser Morgenstimmung ohne Flinte, dafür mit Fernglas und Fotoapparat zu Fuss in die erwachende Naturlandschaft. Die Crew des Hoanib Valley Camps nimmt jede Möglichkeit wahr, um ihre Gäste zu verwöhnen. Sie feiern - jedenfalls am Abend - selbst gerne mit! Warum auch nicht schon am späten Morgen ein Drink auf die vormittäglichen Erlebnisse!? Ein Tischchen und Klappstühle mit weissen Houssen sind schnell aufgestellt, Getränke und Knabbereien gehören schon fast zur Fahrzeugausrüstung. Cheers!

Elephants

Elefanten vor uns, links, rechts und hinter uns.. Solche Situationen haben wir auf den Game Drives im Hoanib Valley mehrfach erlebt. Mitten drin, ganz nah, fast zum Streicheln nah und trotzdem bleiben sie wildlebende Tiere. Schlechte Idee hier auszusteigen! Wir werden akzeptiert, mehr ist da aber kaum.

Ohrengeier, Lappet-faced Vulture

Eine Begenung die mich begeistert hat. Kaum hatte das Wasser-Spiel der Elefantengruppe an der Wasserstelle ein Ende gefunden, flog dieser Ohrengeier direkt auf uns zu, zog ein paar Kreise über unseren Köpfen, bevor er weiter flog und am Himmel nur noch als Pünktchen wahrnehmbar war. Ich nutzte die Gunst des Moments, einen solch imposanten Greifvogel so nah beobachten und fotografieren zu können. Ob Laie und oder Greifvogelliebhaber, für alle eine faszinierende Begegnung!

15. April 2023 > Hoanib Valley Camp - Opuwo Country Lodge..

Nur ungern verlassen wir das Hoanib Valley Camp, zwei erlebenisreiche Tage liegen hinter uns. Auch hier ein Dankeschön an den ganzen Staff!

Ueber den "Hintereingang" von der Skeleton Coast-Seite sind wir gekommen, auf dem ordentlichen Weg verlassen wir das Camp und fahren Richtung Seisfontein, um auf der gravel road Richtung Norden, den Ort Opuwo anzusteuern. Opuwo haben wir für eine Nacht als Zwischenstopp eingebaut, weil die Fahrdistanz bis zu den Epupa Falls zu gross ist.

Wie es so ist wenn Birder an Board sind, ist ein spezieller Vogel Grund genug für einen ersten Stopp, auch wenn wir erst kurz zuvor Abschied genommen haben. Ein männliches Nachtflughuhn, Double-banded Sandgrouse Pterocles bicinctus versucht sich am Pistenrand in Deckung zu verschieben. Einfach schön, dieses farbig gemusterte Federkleid!

16. April 2023 > Opuwo Country Lodge - Epupa Falls Lodge..

Auf die Epupa Falls habe ich mich schon bei der Reiseplanung gefreut. Im Bestreben, die Reise zeitlich und preislich innerhalb des Kostendachs zu halten, war dieser Abstecher bis an die Grenze zu Angola voerst ein Wackel-Kandidat! Welchen Verlust wir uns da mit einem Verzicht eingehandelt hätten, ist im Nachhinein natürlich einfacher zu beurteilen. Den entscheidenden Ueberzeugungs-Input hat wiederum Albert geliefert. "Da müssen wir hoch! Das lohnt sich!" Und wie es sich gelohnt hat! Hitze mit hoher Luftfeuchtigkeit ist zwar nicht jedermanns oder jederfraus Sache, aber der erste Blick von einem Hügel auf die Hochwasser führenden Epupa Fälle war einfach überwältigend. An den Epupa Falls hat es zwei Lodges. Die von Albert für uns ausgesuchte lag direkt am Fluss, mit exklusivem Blick auf die tosenden Wasserfälle. Unglaublich dieser Sound!

17. April 2023 > Himba Experience..

Der Besuch eines Himba Dorfes stand bei uns allen nur bedingt auf der Wunschliste. Die Vorstellung, als Tourist*in in eine fremde Kultur einzudringen, kann durchaus gemischte Gefühle auslösen, da waren wir uns alle einig. Wenn dann, wie bei den Himbas üblich, die Frauen noch ohne Oberbekleidung leben, bringt ein Himba Besuch noch einen weiteren heiklen Aspekt mit sich. Menschen fotografieren erfordert grundsätzlich Respekt. Bei indigenen Völkern steht dieser Anspruch noch deutlicher im Mittelpunkt. Link Wikipedia zu dem indigenen Volk der Himbas.

Aus diesem Blickwinkel haben wir den Besuch eines Himba Dorfes an Bedingungen geknüpft die erfüllt sein müssten, ansonsten wir verzichten würden. Albert teilte unsere Haltung, wollte unsere Ansprüche mit dem örtlichen Guide der Epupa Falls Lodge besprechen. Dieser, selber Himba, hat seinen Auftrag sorgfältig ausgeführt und Albert war der Ansicht, dass wir die Chance nutzen sollten.

Am andern Morgen starten wir früh, denn um 7 Uhr werden die Kühe gemolken, eine Aktivität die zum Alltag der Himba Frauen gehört. Bei einem Lebensmittelladen halten wir an, der Guide kauft die mit den Himba Frauen ausgehandelten Lebensmittel, die sie für unseren Besuch entschädigen werden. Fand ich schon mal positiv, dieser Deal! 

Beim Dorf angekommen, müssen wir vorerst weiter unten warten. Der Guide geht zur Begrüssung ins Dorf, auch um sich zu vergewissern, ob der Besuch unserer Gruppe noch immer willkommen ist. Zurück bei uns werden wir von ihm in gut verständlichem Englisch in die Geschichte der Himbas eingeführt. 

Dann kam das Zeichen, dass wir ins Dorf hochkommen dürfen.

 

Thema Fotografieren

Ich habe mir vorgängig des Besuchs Gedanken gemacht, wie und mit welchem Equipement ich diskret und unaufdringlich fotografieren könnte. Die Aufnahmen entstanden dann mit dem 100-500mm Objektiv das mir verschiedenste Kamerapositionen, insbesondere eine gewisse Distanznahme offen liess. 


Die junge Himba Frau, mit dem Kochen von Maisbrei beschäftigt, war für mich ein besonders interessantes Fotosujet. Ihre Aussstrahlung, ihr kritischer Blick auf das Geschehen im Kral, ihre Fertigkeit im Umgang mit Feuer und Kochtopf, haben mich in Bann gezogen. Gerne hätte ich gewusst, was für Gedanken unsere Anwesenheit bei ihr ausgelöst haben.

Interessanterweise war es dann genau diese Himba Frau, die am Ende unseres Besuches die mitgebrachten Lebensmittel holen kam. Ich zeigte ihr bei dieser Gelegenheit auf dem Kamera-Display eine Portrait-Aufnahme, ihr Gesicht weich verschleiert vom aufsteigenden Rauch des Feuers. Ihr Daumen hoch und das kurze Lächeln interpretierte ich als einvernehmliche Geste.

Fotografieren ja, aber mit Respekt!

18. April 2023 > Epupa Falls Lodge - Hobatere Lodge..

Die Weiterfahrt nach Hobatere stand bevor. Die Attraktion des Morgens, eine, resp. mindestens zwei African Harrier-Hawks Polyboroides typus, verzögerten unsere Abfahrt. In den Palmwedeln der Mopane Palmen liess sich ein bettelnder Jungvogel hören und sehen. Je stärker die Bettelrufe zu hören waren, je grösser war die Wahrscheinlichkeit, dass sich auch ein Altvogel in der Nähe aufhielt. Trotz Gefahr mir eine Nackenstarre einzuhandeln, den Greif wollte ich sehen und bildlich festhalten! Die Bilder zeigen, dass das Vorhaben gelungen ist.

19. April 2023 > Hobatere, Sundowner Game Drive mit Regen..

Der schwarzblau gefärbte Himmel zeigte zwei Gesichter, ein lachendes für das Land, denn Regen ist in Namibia immer willkommen und ein kritisches für uns, denn eine Fahrt im offenen 4x4 im Gewitterregen  war dann doch nicht unbedingt ideales Safariwetter. Unter dem Motto " No risk, no fun" entschlossen wir uns doch mitzufahren und suchten uns ein Plätzchen möglichst in der Mitte des Fahrzeugs. Kurze Regenschauer liess uns noch mehr in die Mitte rutschen.

Das Nass hielt sich in Grenzen, das Gwitter verzog sich, der Abendhimmel hellte sich wieder auf, Glück gehabt! Die Pirschfahrt brachte doch noch ein paar unerwartet feine Beobachtungen.