Die von uns bereisten Gebiete in Spanien präsentierten sich fast ausnahmlos in einem nicht erwarteten grünen Kleid. Die Niederschläge mussten in den vergangenen Monaten sehr ausgiebig gewesen sein. Die Flüsse und Bäche führten viel Wasser, die Stauseen und Lagunen ebenso. Auch der Rio Lobos führte viel Wasser, so dass ein Erkunden der Schlucht offenbar nur bis zu einem gewissen Punkt möglich war. Also haben wir uns für eine kurze Wanderung bachabwärts in Richtung des Dorfes Ucero entschieden.
Erste Sichtung von kreischenden Blauelstern.. vergebliche Versuche diese attraktiven Vögeln auf die Speicherkarte zu bekommen. Dann ein Aufstieg zum Castillo de Ucero.. Rufende Steinsperlinge nehmen sofort meine Aufmerksamkeit in Beschlag.. Resultat: Eine einzige schlechte Belegaufnahme..
Es folgte der Abstieg und ein Mittagshalt in einem Gartenrestaurant, etwas erhöht über dem Rio Lobos liegend, löscht den Durst und bringt die Sichtung eines Eisvogels.
Auf dem Rückweg wollte ich nochmals mein Glück bei den Blauelstern versuchen. Sie waren noch anwesend, also setzte ich mich in den Schatten der über mir steil aufragenden Felswand und wartete. Die Elstern schienen mich zwar nicht als Gefahr wahrzunehmen, hielten aber Abstand, wechselten jedesmal kurzzeitig den Standort, kaum hatte ich vorsichtig nach der Kamera gegriffen. Okay, da werden sich auf der Reise sicher noch bessere Gelegenheiten ergeben.
Vielleicht war es dann genau meine Einsicht, die eine der Blauelstern bewog, die Felswand anzufliegen um dort nach etwas Fressbarem zu suchen. Ein Griff zum Fernglas.. Wow, was für ein Bild! Eine Blauelster auf grau-blau-weissem Fels inmitten einer Vielzahl an gelb leuchtenden Flechten! Azurblau und Sonnengelb! Eine wunderschöne Kombination von zwei Komplementärfarben. Ein Kontrollblick auf das Display? Der Vogel hatte mir ein paar vielversprechende Aufnahmen zugestanden.
Eigentlich wollte ich nach diesem Erfolg ebenfalls Richtung Campingplatz aufbrechen, Susanne hatte sich schon vorher auf den Weg gemacht..
Da? Wo denn? Da! Das waren doch Steinsperlinge deren Stimme ich aus der Felswand zu vernehmen glaubte. Mit dem Fernglas suchte ich die diese minutiös ab. Nach kurzer Zeit wollte ich die Suche wegen zunehmend schmerzendem Nacken aufgeben. Ein in die Wand einfliegender Gänsegeier und drei weitere die sich um den besten Ruheplatz stritten, hielt mich davon aber ab.
Da, was war das denn dort? Ein paar Meter rechts, auf einem grasbewachsenen Felsband schaute ein Gänsegeier auf mich herab. Zu sehen war nur der Kopf. Ein Jungvogel? Nein, die Schnabelfarbe liess auf einen brütenden (?) Altvogel schliessen. Das wollte ich mir näher anschauen. Ich schaute mich um. Auf dem links von der Felswand liegenden Hang könnte ich mich vielleicht etwas höher positionieren und hätte damit einen besseren Ueberblick. Also verschob ich mich dorthin. In der nächsten halben Stunde füllte sich die Speicherkarte. Fotoziel: Ein Gänsegeier war mit der Fütterung eines Jungvogels beschäftigt. Und ich hatte besten Einblick auf die Szene. Hammer, besser geht wohl kaum!