Die Caminhos Pedonais (Wanderwege) südlich der Ria de Aveiro Mündung sind vor allem zu den Hauptzugszeiten im Frühling interessant. Auf meiner Fahrradexkursion musste ich schnell feststellen, dass die Lagune Mitte Mai nicht mehr viel zu bieten hatte. Nicht so auf der andern Seite des Lagunenweges. Ein Flickenteppich von bewirtschaftetem und ungenutzem Landwirtschaftsland, abwechselnd mit verschiedenartigen Ruderalflächen, bis hin zu dichten Wiesen bestimmte hier das Landschaftsbild. Aus einem Kleingehölz mit verwilderten Zitronenbäumen liessen sich gurrende Turteltauben vernehmen. Warum nicht wieder mal Fotos von Turteltauben? Das hiess, Fahrrad deponieren und mal beobachten was sich so in der Umgebung tut. Zwei weitere Turteltauben flogen zwischenzeitlich in das Gehölz ein, waren aber zuerst für mich nicht sichtbar. Das sollte sich bald ändern, die Tauben waren offensichtlich in Balzstimmung.
Inzwischen hatte eine weitere Vogelart mein Interesse geweckt. Aus einer Wiese ertönten ausdauernde Rufe zweier Wachtelmännchen. Sie schienen sich stimmlich übertrumpfen zu wollen. Ob die beiden wohl etwas dagegen haben, wenn sich da noch ein dritter Rufer (mein iPhone) in das Duett einmischt? Und tatsächlich, einer der beiden hatte sich offenbar meinem Standort bis auf ca. 20 Meter angenähert. Das hiess, iPhone sofort ausschalten, warten und beobachten. Ich versuchte den Rufer im dichten Gras zu orten. Aber dieses Hühnchen ist ja so klein und braucht entsprechend wenig Vegetation um sich zu verbergen. Hey, zeig dich doch mal! Ich will dich mal anschauen, nicht nur immer hören. :-)
Und dann geschah etwas, das ich so nicht erwartet habe. Das Wachtelmännchen wollte offenbar genau nachsehen, ob der Rufer noch vor Ort wäre. Plötzlich flog ein kleiner bräunlicher Federball mit schnellem Flüglelschalg direkt auf mich zu und ging ca. 10 Meter links von mir im dichten Gras in Deckung. Mit dem Fernglas konnte ich den Vogel kurz sichten, für drei Sekunden auf den Auslöser drücken, bis er sich im dichten Gras wieder davon schlich. Wow! Das fotografische Resultat ist nicht mehr als ein Beleg, dass ich einer Wachtel in die Augen geblickt habe. Dem speziellen Erlebnis tut das keinen Abbruch! :-)