Die Ebenen (Llanos) in der Region Cáceres und Trujillo, mitten im Herzen der Extremadura, sind ornithologische Hotspots. Für Trappen waren wir leider zu spät, da sollte man im Winter und für die Grosstrappenbalz Ende März, anfangs April das Gebiet besuchen. Aber auch zu diesen Jahreszeiten muss man die Vögel suchen und das Gebiet ist weitläufig..!
Die Steppen sind aber auch Geierland. Am selben Ort kreisende Geier lassen darauf schliessen, dass sie dort ein Kadaver oder sonst etwas Fressbares gefunden haben.
Nachdem ich etwas enttäuscht akzeptieren musste, dass die Trappensuche wohl erfolglos bleiben wird und auch unbrauchbare Flimmerlichtaufnahmen von Wiesenweihen kaum als Trostpreis gelten konnten, hielt ich auf einer leicht erhöhten Kuppe Ausschau, ob sich auf der weiteren Strecke eine Gelegenheit bietet, das Auto auf der schmalen Schotterpiste wenden zu können.
Dieser Halt hat einmal mehr bestätigt, dass es oft besser ist, an einem Ort zu warten, als suchend durch die Landschaft zu kurven.
In einer Entfernung von ca. einem Kilometer liess sich im Fernglas ein grösserer Pulk kreisender Geier erkennen. Damit war klar, dass die Rückfahrt noch warten musste. Da wollte ich hin, das sah sehr interessant und vielversprechend aus. Geier an einem Kadaver, das wäre doch noch das Tüpfelchen auf dem i. Vorsichtig und ohne Hast - das liess ja die Strasse ohnehin nicht zu - fuhr ich weiter. Zwischendurch hielt ich mal an, um zu prüfen, ob unter den kreisenden Gänsegeiern auch Mönchsgeier zu entdecken waren. Ich meinte mind. einer wäre dabei.
Noch vielleicht hundert Meter und dann sollte ich mehr sehen. Im Schritttempo kam ich dem Geierkarrusell immer näher, die dichte Vegation und einzelne Büsche auf der Böschung der rechten Strassenseite verschafften unserem Auto etwas Deckung. Kurz darauf stoppte uns ein eisernes Tor. Und das, was wir vielleicht fünfzig Meter weiter hinten zu sehen bekamen, war einfach absolut umwerfend. Mehrere Dutzend Gänsegeier am Boden oder auf einem grösseren Strauch (vermutlich Kermeseiche) sitzend. Eine Ansammlung der Superlative und mit dabei mehrere Mönchsgeier. Der durch die offenen Autofenster eindringende Duft machte uns sofort klar, warum sich an diesem Ort so viele Geier versammelt hatten. Das Tor war der Eingang zu einer grösseren, von unserem Standort nicht einsehbaren Kehrichtdeponie.
Meine Fotoposition war alles andere als ideal, die nahe Vegetation verdeckte vor allem die etwas abseits sitzenden Mönchsgeier. Kurz innehalten und überlegen. Soll ich es wagen, das Auto noch etwas besser zu positionieren? Mach jetzt ja keinen Fehler, ging mir durch den Kopf! Mach erst mal Fotos, auch wenn dies nur aus einer unmöglichen Position, eingeklemmt zwischen den Vordersitzen mit verdrehtem Oberkörper und zittrigen Armen möglich war. Eine Kontrolle der ersten Serie auf dem Display fiel dann zwar positiv aus, könnte aber doch noch besser sein. Also nahm ich volles Risiko, startete den Motor, liess eine Minute verstreichen, um dann in Zeitlupe den Wagen einen Meter rückwärts zu bewegen. Motor abstellen, tief durchatmen und warten ob die Geier eine Reaktion zeigen würden. Einer kleineren und dann auch noch einer grösseren Gänsegeiergruppe schien mein Manöver nicht besonders gefallen zu haben. Sie flogen auf und mischten sich unter die über der Kehrichtdeponie kreisenden Vögel. Das wichtigste, die Mönchsgeier blieben sitzen. So viel hat die ganze Übung dann doch nicht gebracht, aber der Kopf der Mönchsgeier war nun besser freigestellt.